Fränkische Nachrichten17.05.2004

"Ich war der klassische Klassenclown"

Götz Alsmann im FN-Interview / Mit Stars der 50er und 60er Jahre auf Deutschlandtournee

Von Sabine Küssner

Götz Alsmann Technisch, gibt er unumwunden zu, ist er eine "absolute Null". Das wäre ja auch fast schon unheimlich, wenn Götz Alsmann auch noch problemlos Computer und Küchengeräte bedienen könnte. Es reicht doch, wenn man wie er von sich behaupten kann, Moderator (seine Sendung "Zimmer frei" ist längst Kult), Entertainer, Bandleader und Schauspieler zu sein und auch noch mit diversen Instrumenten umzugehen weiß. Zu den vielen Preisen, die er in den letzten Jahren einheimste, gesellte sich vor kurzem noch der "Echo" hinzu. Momentan steckt Alsmann mitten in den Vorbereitungen zu seiner neuen Tournee "Bkannt durch Film, Funk und Fernsehen", bei der der 46-Jährige die Kessler Zwillin ge, Bibi Johns, Greetje Kauffeld und Chris Howland erstmals gemeinsam präsentieren wird. Zu erleben ist eine musikalische Reise durch die guten alten Zeiten des Swing und der unvergänglichen Evergreens.

FN: Herr Alsmann, mit welchen Gefühlen schauen Sie der Premiere Ihrer neuen Show am 8. Juni entgegen?

ALSMANN: Momentan sind wir alle ein bisschen aufgeregt. Demnächst steigen wir in die Proben ein und ich schreibe gerade die Arrangements. Für uns als Band, die wir ja sowieso 120 Konzerte im Jahr machen, ist das eine hübsche Abwechslung, denn wir spielen jetzt das zweite Jahr unser "Tabu"Programm und in dieser Phase gibt man gerne auch mal ein paar andere Lieder zum Besten. Das ist nun die willkommene Gelegenheit.

FN: Wie kamen Sie auf die Idee, genau diese Truppe zusammenzustellen? Der Spaßfaktor ist ja mit Chris Howland garantiert.

ALSMANN: Den Spaß werden wir auch mit den Damen haben! Ich bin mit Bibi Johns befreundet und ihr Manager hatte die ursprüngliche Idee. Wir veranstalten jedes Jahr in Köln auf dem Ringfest ein Konzert mit großen Stars der Vergangenheit. Da kommen immer bis zu 12000 Menschen. Greetje Kauffeld zum Beispiel ist jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Sie befindet sich gerade auf Tournee mit Paul Kuhn und tourt dann gleich mit uns weiter. Greetje kennt man auf der ganzen Welt. Bibi Johns war in den fünfziger, sechziger Jahren Hitlieferantin und danach Dauergast in Fernsehshows. Sie ist aus unserer Unterhaltungsgeschichte nicht wegzudenken. Chris Howland hat einen Bekanntheitsgrad, der ist höher als der unserer meisten Bundeskanzler. Es vergeht keine Woche, in der man ihn nicht irgendwo im Fernsehen sieht. Und er hat sehr schöne Bücher geschrieben, sein biograhisches Buch "Happy Days" gehört zu den schönsten Büchern, die ich kenne. Und natürlich die großartigen Kessler Zwillinge...

FN: Wie sieht es denn bei Ihnen aus mit einer Biographie oder gar einem Enthüllungsbuch?

ALSMANN: Ja, da leg' ich dann richtig los!

FN: In welche Richtung?

ALSMANN: Ganz egal! Hauptsache, schmuddelig, schmutzig, provozierend! Nein, im Ernst, ich will mein privates Leben auch weiterhin für mich behalten. Damit bin ich bisher gut gefahren.

FN: Sie sind verheiratet und haben einen Sohn.

ALSMANN: Ja, er ist 13.

FN: Wie sieht er seinen Vater?

ALSMANN: Wunderbar! Ich bin sein Idol, sein Held. Der beste Papi der Welt. Oder wollen Sie die Wahrheit hören?

FN: Erzählen Sie mir alles!

ALSMANN: Er findet meine Rolle, die ich in Gesellschaft und Kunst spiele, gut, und ist selbst auch sehr musikalisch. Unsere Geschmäcker sind nicht immer deckungsgleich, aber er mag meine Musik sehr. Er übt übrigens auch Humorkritik.

FN: Wenn man Sie mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit schicken könnte ­ wohin sollte die Reise gehen?

ALSMANN: Die letzte Woche hat mir gut gefallen! Und die städtische Gesellschaft des Mittelalters finde ich sehr interessant. Aber ich bezweifle, dass es Zeiten gab, die besser waren als die, in der wir leben. Es wird hier nur auf hohem Niveau gejam mert. Die meisten der Sozialleistungen, deren Streichung jetzt lautstark beklagt wird, haben vor 30 Jahren noch gar nicht existiert.

FN: Können Sie eigentlich gut mit den technischen Geräten der Neuzeit umgehen?

ALSMANN: Nein! Ich bin technisch eine absolute Null.

FN: Und wie sieht's mit dem ganzen Papierkram aus, Steuererklärungen zum Beispiel?

ALSMANN: Da gibt es doch Leute, die so was richtig gut können! Ich bin ein großer Freund der bezahlten Dienstleistungen und lasse da immer lieber den Fachmann ran. Wenn ich Zahnprobleme habe, gehe ich doch auch nicht zum Hals-, Nasen-, Ohrenarzt. Und so kann ich dem Spezialistentum in Deutschland zu Lohn und Brot verhelfen.

FN: Was waren Sie denn für ein Schüler? Der Freche oder mehr der Schüchterne?

ALSMANN: Ich war der klassische Klassenclown, der Nervsack.

FN: Sind Sie eitel?

ALSMANN: Ich bin extrem eitel. Das sieht man doch!

FN: Wie kriegen Sie diese tolle Tolle hin?

ALSMANN: Das Wichtigste ist der Schnitt. Man sieht sehr viele Leute, die so etwas tragen, aber nicht den richtigen Schnitt haben. Dann scheitern die auch damit. Man braucht also den richtigen Schnitt und verschiedene, gleichzeitig benutzte Mittel. Sie müssen ein sehr steifes Gel nehmen und danach noch sprayen, sonst funktioniert das nicht.

FN: Wenn Sie jetzt aber mal ein Wochenende zu Hause verbringen, dann werden Sie diesen Aufwand nicht treiben, oder?

ALSMANN: Doch, immer! Jeden Morgen. Ich mache das für mich selbst.

FN: Sind Sie ein ordentlicher Mensch oder haben Sie lieber ein bisschen Chaos um sich herum?

ALSMANN: Ich bin von Natur aus eher chaotisch, habe mir aber Ordnung angewöhnt, weil ich weiß, wie effektiv sie ist. In größeren Abstanden schlägt das Chaos aber wieder ein. Dann mache ich mir einen ganzen Tag lang Vorwürfe und an einem weiteren Tag alles wieder ordentlich.

FN: Könnten Sie sich vorstellen, mal für eine bestimmte Zeit ins Kloster zu gehen?

ALSMANN: Nein. Ich bin mit meinem gegenwärtigen Lebensstil sehr zufrieden. Zum Abschalten genügt ein Tag auf dem Segelboot oder Wandern im Sauerland, zusammen mit meiner Familie. Das Andere ist mir zu new-agig, zu esoterisch. Im Talar rumzulaufen und mich für eine Woche als Bruder Götz ansprechen zu lassen, einen bestimmten Speiseplan zu haben, Gesprächsinhalte, die mir eher fern sind ­ nein! Aber wenn das jemand für sich entdeckt hat ­ Friede auch ihm! Aber vielleicht sehe ich das ja in wenigen Jahren schon anders...

FN: Gibt es Gäste, die sich förmlich anbieten, um in Ihre Sendung "Zimmer frei" eingeladen zu werden?

ALSMANN: Ja! Das Verblüffende ist, dass es sich um Leute handelt, die mich früher nicht mal mit dem langen Stock angefasst hätten. Die stehen jetzt da und wollen unbedingt eingeladen werden.

FN: Ich will da jetzt natürlich keine Namen hören, aber...

ALSMANN: Natürlich wollen Sie Namen hören! Nein, im Ernst: Viele, die früher Vorbehalte hatten, haben gemerkt, dass bei uns der Gast immer Gelegenheit hat, zu glänzen. Früher eilte uns der Ruf voraus, Gäste in die Pfanne zu hauen. Ja, das ist passiert, aber das war nie unsere Intention. Aber es gibt auch Gäste, die bitten darum. Und dann soll ihr Flehen auch erhört werden.

FN: Wie geht Ihre Frau mit Ihrer Berühmtheit um?

ALSMANN: Sie wissen doch, wie die Weiber sind!

FN: Nein, wie sind denn die Weiber?

ALSMANN: Na, solange es in der Kasse stimmt! Aber ernsthaft: Wir sind schon sehr lange verheiratet und erinnern uns noch gut an die Zeit, in der uns kein Mensch angerufen hat. Ich mache diesen Beruf seit 30 Jahren, die meiste Zeit davon vollkommen erfolglos. Die Freude ist jetzt groß, dass sich nun der Erfolg eingestellt hat. Und da ist die Bereitschaft ebenfalls groß, mich zu unterstützen. Da ich mein Privatleben weitgehend aus meinem Beruf heraushalte, genießt sie es, auch nur in ausgewählten Situationen vorzukommen. Ich gehe ganz selten auf Partys. Wenn man diese bunten Blätter aufschlägt, sieht man ja immer nur dieselben Leute und fragt sich, was machen die eigentlich so, wovon leben die denn? Gibt es professionelle Partygäste?

FN: Wo ist denn der "Echo", den Sie neulich bekommen haben?

ALSMANN: Der steht hier vis-à-vis neben ein paar anderen Preisen. Er ist mein zweitschönster nach dem Grimme-Preis. Ab und zu schaue ich in meinem Büro auf meine Preise, darunter auch vier Jazz- "Echos", und denke: Was bin ich doch für ein famoser, großartiger Kerl! Und jetzt wieder im Ernst: Ich freue mich über die Preise, sie sind alle ehrlich erworben und ich bewerte sie auch nicht über, aber sie machen mich aus unterschiedlichen Gründen froh. Ich würde sie jedoch nicht ins Wohnzimmer stellen, habe aber keine Scheu, sie in meinem Büro zu zeigen. Daran finde ich keinen Fehl und Tadel. Soll doch jeder sehen, mit wem er es zu tun hat!

Götz Alsmann gastiert mit seiner Show am 11. Juni in der Alten Oper in Frankfurt, am 18. Juni in Nürnberg im Serenadenhof und am 25. Juni in der Stuttgarter Liederhalle (Tickets für beide Termine gibt es bei den FN).



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