![]() | 06.11.2002 |
"Ich entdeckte Thomas Anders - nicht Dieter Bohlen!"
Bei ihm zu Hause schlummern noch unveröffentlichte Aufnahmen des "Modern Talking"-Sängers / Im trauten Heim ein "Hyper-Macho"
Von Sabine Küssner
Ob Wolfgang Petry oder die Wildecker Herzbuben, Karel Gott oder Roland Kaiser, Engelbert oder Tony Christie: Sie und eine ganze Menge andere Interpreten haben viele ihrer großen Hits Gerd Grabowski zu verdanken. Der Komponist, Texter und Produzent steht allerdings auch selbst gerne und erfolgreich auf der Bühne - als G. G. Anderson verkauft er seine Lieder ebenfalls millionenfach. Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten verriet der 52-jährige Künstler unter anderem, was er von Dieter Bohlen hält. Und stellte klar: "Nicht Bohlen, sondern ich habe Thomas Anders entdeckt."
FN: Gerd, wie geht es denn Ihrer Flugangst - oder anders herum gefragt: Waren Sie inzwischen in Amerika?
Grabowski: Vor zwei Jahren flog ich an meinem 50. Geburtstag nach New York - es war faszinierend! Aber ehrlich gesagt habe ich vom Flug gar nicht so viel mitbekommen. Das Bordpersonal schenkte mir zum Geburtstag eine Flasche Champagner - die habe ich gleich mit meiner Frau zusammen getrunken. Aber seit dem 11. September 2001 bin ich nicht mehr in der Lage, zu fliegen.
FN: Ist es einfach, gerade in der heutigen Zeit singend gute Laune zu verbreiten? Fällt es Ihnen schwerer als früher oder sagen Sie: Jetzt erst recht!?
Grabowski: Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch und stürze mich erst recht in Dinge, die mir Spaß machen. Ich glaube, das brauchen wir alle. Sonst drehen wir durch. Auf der Bühne muss ich einfach versuchen, abzuschalten. Es knallt ja überall - wenn man da anfängt, nachzudenken...
FN: Wie erklären Sie Ihrem Sohn Philipp die Welt?
Grabowski: Philipp hat gerade andere Probleme. Er ist ja behindert und muss seine motorischen Probleme in den Griff bekommen. Politik interessiert ihn noch nicht so sehr. Ihm ist wichtig, dass Papa und Mama zu Hause sind. Wenn Papa nicht zu Hause ist, muss auf jeden Fall Mama da bleiben. Aber irgendwann werden auch solche Probleme auf mich zukommen. Hoffentlich habe ich dann den richtigen Spruch parat.
FN: Machen Sie sich zu Hause auch mal nützlich, kochen Sie zum Beispiel gerne?
Grabowski: Überhaupt nicht. Ich bin der absolute Hyper-Macho, mache gar nichts daheim. Meine Frau hat mir immer alles abgenommen. Das fand ich ganz nett und habe es bis jetzt auch krass ausgenutzt.
FN: Wie haben Sie es geschafft, sich so lange in der Branche oben zu halten?
Grabowski: Ich habe ein sehr gutes Team und hatte ja bereits bevor das mit G. G. Anderson vor zwanzig Jahren losging, große Hits für andere Künstler geschrieben. Da habe ich die ganz harte Schule durchgemacht und viele wichtige Erfahrungen gesammelt. Die Menschen spüren, dass es mir Spaß macht und ich es ehrlich meine. Klar, wenn man um die Fünfzig ist, fragt man sich schon: Soll ich noch? Kann ich noch? Wenn ich merke, dass es sich nur noch so dahinquält, bin ich der Erste, der weg ist. Mein neues Album läuft jedoch sehr gut. So lange man sich freut, wenn ich auftrete und singe, dann mache ich das weiter. Später irgendwann werde ich nur noch im Hintergrund arbeiten.
FN: Sie haben auch schon für Engelbert Lieder geschrieben. Er kommt in Dieter Bohlens Buch ja nicht so gut weg.
Grabowski: Ich kenne Bohlen seit über 25 Jahren, weiß noch, wie er als kleiner Autor versuchte, Titel unterzubringen. Und er hat sie nicht untergebracht, weil er nicht singen kann. Heute lässt er singen. Thomas Anders ist ein exzellenter Sänger. Und wenn Dieter sagt, dass er Thomas Anders entdeckt hat, dann stimmt das nicht. Denn den hat Gerd Grabowski entdeckt. Ich war der erste, der mit Thomas Anders eine Platte produziert hat. Anders stand bei mir in der Tür und sagte: "Guten Tag, ich will ein Star werden!" Wir machten Probeaufnahmen. Er wollte mit einem weißen Anzug, weißen Lackschuhen und einem weißen Schal an einem weißen Flügel sitzen und Schlager singen. Ich habe noch unveröffentlichte Aufnahmen von ihm zu Hause. Wenn ich lese, dass Dieter Bohlen Thomas Anders entdeckt hat, kriege ich einen Lachkrampf. Dieter ist ein exzellenter Autor, schreibt gute Nummern, kann aber nicht singen und hat eine große Klappe.
FN: Hätten Sie manchmal auch gern ein größeres Mundwerk?
Grabowski: Ich habe eine unheimlich große Klappe - das sagt man mir zumindest nach. Bei einer Körpergröße von 1,68 Meter muss man sich durch die Welt boxen. Gerade im Geschäftsleben ist das wichtig, und es gelingt mir ganz gut. Auch bei den "Wildecker Herzbuben" habe ich mich durchgesetzt: Sie wollten partout das "Herzilein" nicht aufnehmen. Wir waren uns deshalb ständig in den Haaren gelegen. Gott sei Dank haben sie's dann doch gemacht...