20.03.2002

"Ich bin ein Mensch, der viel Harmonie braucht"

Ein Gespräch über Musik, die aus dem Bauch kommt, den Flair von Fernfahrerfestivals und Standing Ovations in Nashville

Von Sabine Küssner

Um ihn herum herrscht ein Kommen und Gehen. Viele haben es wichtig und viele kommen sich auch so vor. Bei der "SWR 4-Starparade" geht es im VIP-Raum zu wie im Taubenschlag. Er dagegen sitzt an einem Tisch, liest und wirkt ein bisschen wie der berühmte Fels in der Brandung. Tom Astor macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Deutschlands berühmtester Country-Star, der schon mit Legenden wie Johnny Cash, John Denver oder Garth Brooks auf der Bühne stand und als bislang einziger Deutscher in der Grand Ole Opry, jener geschichtsträchtigen Konzerthalle von Nashville/Tennessee auftrat, scheint in sich selbst zu ruhen. Diesen Eindruck hinterließ er auch im Interview mit den Fränkischen Nachrichten.

FN: Tom, so kurz vor Ihrem Auftritt machen Sie noch einen sehr entspannten Eindruck.

Astor: Das bin ich auch. Ich bin sowieso ein sehr ausgeglichener Mensch, aber wenn's drauf ankommt, kann ich auch mal hektisch werden.

FN: Worüber können Sie sich denn so richtig aufregen?

Astor: Im Beruf kommt das weniger vor. Dazu bin ich schon viel zu lange in diesem Job. Alles Aufregen nützt sowieso nichts. Man kann nichts ändern. Es gibt andere Dinge im Leben, über die ich mich aufrege: zum Beispiel die Politik.

FN: Sie sind Deutschlands größter Country-Star. Wie fühlt es sich an, so tituliert zu werden?

Astor: Country war das, was ich immer wollte und, so glaube ich, auch kann. Ich habe viel Erfolg damit und in dieser Szene fast alles erreicht, was ich wollte. Das ist ein schönes Gefühl.

FN: Sie haben sich ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in Amerika einen Namen gemacht.

Astor: Ich bin der einzige deutsche Sänger, der je in der Grand Ole Opry in Nashville aufgetreten ist.

FN: Das war bestimmt ein Gänsehautgefühl.

Astor: Oh ja! Es war toll. Ich bekam Standing Ovations.

FN: Kann man die dortige Countryszene mit der deutschen vergleichen?

Astor: Nein. Country ist in Amerika die Musik überhaupt. Hier in Deutschland macht sie nur ein kleines Stück vom Kuchen aus. Countrymusik ist auch Livemusik. In der Countryszene wäre ein Playbackveranstaltung überhaupt nicht machbar. Da hat man immer seine eigene Band dabei. Anderthalb Stunden muss man gut durchziehen können. Und: Es reicht nicht, nur richtig zu spielen. Schließlich sollte auch etwas rüberkommen. Countrymusik kommt aus dem Bauch. Das trifft auch auf die Musiker zu. Da wird nicht Note für Note runtergespielt. Es gibt Gitarristen, die improvisieren, spielen auch mal das, was sie gerade fühlen. Das ist eine schöne Sache.

FN: Ihre Fans lieben Sie heiß und innig. Wenn in Truckerkreisen Ihr Name fällt, da leuchten die Augen.

Astor: Meine erste Tournee machte ich mit dem Impresario Fritz Rau. Das war ganz toll. Es gibt viele Menschen, die diese Musik gerne hören, aber eine Hemmschwelle haben, auf die einschlägigen Festivals zu gehen, weil es dort für ihren Geschmack zu viele "Kostümierte" gibt. In letzter Zeit gab ich wieder verstärkt Konzerte. Dabei stellten wir fest, dass sie von unglaublich vielen Menschen besucht werden: Ganze Familien, Ehepaare, junge und ältere Leute. Die würde man nie auf einem Countryfestival sehen.

FN: Viele holen sich aus Ihren Lieder wohl auch Kraft für ihr Leben.

Astor: Das stimmt. Da kommen einem oft die Tränen, wenn man von den Schicksalen dieser Menschen liest. Es schreiben mir immer wieder auch kranke Menschen, denen es besser geht, wenn sie meine Lieder hören. Das ist manchmal viel mehr wert, als wenn man hunderttausend Platten verkauft.

FN: Aber Sie können ja nicht jedem Einzelnen helfen.

Astor: Aber man muss es versuchen. Die meisten wollen gar keine Antwort, sie wollen sich nur mitteilen. Es gibt auch viele, bei denen man ein paar Zeilen zurückschreiben muss. Das dauert dann natürlich etwas länger, bis sie eine Antwort bekommen.

FN: Sind Sie ein glücklicher Mensch? Astor: Eigentlich schon, ja.

FN: Wer waren denn die Helden Ihrer Jugend?

Astor: Heroes wie James Dean und Elvis.

FN: Hatten Sie auch Poster an der Wand hängen?

Astor: Klar! Von James Dean hatte ich eines aus "Giganten".

FN: Am Pfingstsonntag treten Sie beim Countryfestival in Geiselwind auf.

Astor: Dort sind natürlich viele Trucker dabei, und so werde ich in meinem Programm auch einen Block mit Fernfahrersongs haben. Denn sie waren ja die ersten, die Countrymusik auf ihren Festen hören wollten. Und sie waren auch die ersten, die mich engagiert haben. Hinterher, an der Theke, erzählten sie mir dann ihre Geschichten. So entstanden die meisten Fernfahrersongs.

FN: Tragen Sie Ihre Ringe und Armreifen immer?

Astor: Ja. Jeder Ring ist mit einer Erinnerung verbunden. Ich habe mich schon immer mit der Geschichte der nordamerikanischen Indianer beschäftigt und mag diesen Schmuck. Zum Thema Indianer habe ich auch gerade einen neuen Song geschrieben: "Rocky Mountain Man".

FN: Womit kann man Ihnen die größte Freude machen?

Astor: Ich bin ein Mensch, der viel Harmonie braucht. Ich mag keinen Trouble. Deshalb meine Antwort: mit Harmonie und Frieden.