09.04.2002

"Uns geht's richtig gut"

Das Duo genießt heute Kultstatus und ist sogar wieder auf Tournee

Cindy und Bert im Interview mit Sabine Küssner

Sie wirkten stets, als kämen sie gerade frisch verliebt aus dem sonnigen Süden. Jutta und Norbert Berger alias Cindy und Bert waren das Traumpaar des deutschen Schlagers und ließen ihr Publikum gerne an ihren "Urlaubserinnerungen" teilhaben. Sie schauten sich dann tief in die Augen und sangen Lieder wie "Aber am Abend, da spielt der Zigeuner", "Wenn die Rosen erblühen in Malaga", "Spaniens Gitarren" und natürlich "Immer wieder sonntags". Mit großem Erfolg taten sie das ungezählte Male und nicht nur in Dieter Thomas Hecks legendärer "ZDF-Hitparade". Sie sammelten Preise wie andere Leute Briefmarken.

Dann kam die Trennung. Stoff für die Klatschblätter. Doch auch in der Zeit des Auseinandergehens verlor das Duo eines nie aus den Augen: den Respekt vor einander. Heute verbindet sie ein herzliches Bruder-Schwester-Verhältnis und momentan auch wieder dasselbe Auto: Cindy und Bert touren mit Moderator Uwe Hübner und ihren Kollegen Mary Roos, Kristina Bach, Roberto Blanco, Drafi Deutscher, den Paldauern und André Stade durch deutsche Lande. Die Fränkischen Nachrichten trafen die Beiden in Stuttgart zum Interview.

FN: Cindy und Bert, 30 Jahre nach Ihrer ganz großen Zeit sind Sie wieder auf Tournee. Ist das Schicksal, Zufall - oder eben einfach so?

Bert: Es ist einfach schön. Uns verband eine ganz große Liebe. Und heute sind wir die besten Freunde. Doch nachdem bei uns damals die Harmonie nicht mehr stimmte, trennten wir uns und wollten auch nie mehr zusammen eine Bühne betreten. 1994 dann machte Dieter Thomas Heck eine Sendung mit allen Künstlern, die bei ihm in den siebziger Jahren in der "ZDF-Hitparade" auf den vorderen Plätzen gelandet waren. Und er hat das bei uns beiden sehr geschickt eingefädelt. Mir sagte er, dass Cindy schon zugesagt hätte. Und Cindy erzählte er das Gleiche von mir. Wir waren dabei - und das Publikum hat uns mit standing ovations aufgenommen.

FN: Ihre Karriere ist untrennbar mit Heck verbunden. Welches Verhältnis haben Sie heute zu ihm?

Cindy: Ein sehr gutes.

Bert: Und ein sehr freundschaftliches. Er ist einfach eine Bastion in der Schlagerwelt.

FN: Und wie das Leben so spielt, sind Sie heute mit seinem Nachfolger Uwe Hübner auf Tournee . . .

Cindy: Die Truppe ist sehr harmonisch, und wir genießen so richtig das Künstlerleben.

Bert: Mit Uwe macht es besonders viel Spaß, weil hier alles stimmt. Die ganze Tournee ist perfekt organisiert.

FN: Mit welchen Gefühlen singen Sie heute Ihre Hits von damals?

Cindy: Mit genau den gleichen. Diese Lieder gehören zu uns, und wir singen sie immer gerne. Sie sind mit so vielen Erinnerungen verbunden. Und es ist schön, die Reaktionen der Menschen im Publikum zu sehen.

FN: Stimmt es, dass Sie "Immer wieder sonntags" erst gar nicht aufnehmen wollten?

Cindy: Ja, denn wir hatten unsere Karriere schließlich nicht mit dem Schlager begonnen. Bert hatte eine Band, ich war die Sängerin und wir spielten ein internationales Programm. Und auf unserer allerersten LP gab es nur Lieder mit anspruchsvollen Texten, die auch eine Aussage hatten. Doch sie kam nicht besonders gut an. Da waren wir unserer Zeit wohl ein bisschen voraus.

FN: Das war ja auch bei Ihrem Cindy und Bert-untypischen Lied "Geh die Straße" so.

Cindy: Ganz genau. Die Leute wollten aber immer Liebeslieder und keinen Gospel oder Soul von uns hören. Das hat unser damaliger Produzent Kurt Feltz erkannt und uns "Immer wieder sonntags" angeboten. Wir nahmen das nur ihm zuliebe auf. Er lockte uns, indem er sagte, wenn das nicht euer größter Erfolg wird, dürft ihr in Zukunft immer bestimmen, was ihr singt. Wir waren überzeugt: Dieser Song läuft nie. Dann hörten wir die ersten Verkaufszahlen und wussten schon: Die Abmachung war hinfällig. Doch man identifiziert sich schnell mit einem Lied, wenn es mit Erfolg verbunden ist. Es tut einfach gut, wenn man auf die Bühne geht und die Leute einen lieben. Irgendwann liebt man das Lied dann auch.

Bert: Feltz meinte, die Leute sähen ein harmonisches Paar mit viel positivem Charisma in uns. Die Welt kann man nicht in drei Minuten verändern, und die Menschen wollen nicht auch noch mit problembeladenen Liedern belastet werden. Er behielt recht. Da mussten wir eben drei Jahre den Mund halten. Feltz hat dann gleich "Spaniens Gitarren" nachgestrickt, nach dem Motto: immer in Urlaubsstimmung, braungebrannt, stets Händchen halten und nie böse gucken. Doch wir taten es gerne. Wir haben den Menschen eine Freude gemacht - und darin sehen wir unsere Aufgabe auf der Bühne. Das Verrückte heute ist, dass junge Leute, die damals noch gar nicht geboren waren, unsere Texte kennen. Die spielen unsere Lieder zum Abfeiern.

FN: Sie genießen quasi Kultstatus. Wie fühlt man sich als Kult?

Cindy: Sehr gut!

Bert: Uns geht's richtig gut.

FN: Cindy, worum beneiden Sie Bert?

Cindy: Er ist viel kontaktfreudiger als ich. Bei Fremden bin ich immer erst mal vorsichtig. Bert dagegen ist sehr offen. Er geht viel leichter auf Menschen zu. Hinter der Bühne war ich früher auch immer die Stille, die nie viel geredet hat. FN: Also hat Cindy nicht viel mit Jutta gemein.

Cindy: So ist es. Auf der Bühne lebe ich richtig auf und bin danach aber wieder sehr gedämpft. Das hat sich mittlerweile jedoch auch geändert. Heute rede ich manchmal zuviel. Zum Beispiel im Auto. Auf der Tour fahren wir zusammen mit Mary Roos. Bert und mein Hund sitzen hinten, Mary und ich vorne.

FN: Wer fährt?

Cindy: Ich.

FN: Bert, ist sie eine gute Fahrerin?

Bert: Sie ist eine gute Fahrerin geworden. Ich habe sie damals gezwungen, den Führerschein zu machen. Und das nur aus einem einzigen Grund: Mich nervte ihre ewige Unpünktlichkeit. Und ich bin ein Pünktlichkeitsfanatiker. Damals ging das ja schon so weit, dass mein damaliger Schwiegervater und ich alle Uhren im Haus eine Stunde vor stellten. Aber es hat nichts genützt . . . Cindy ist sogar eine sehr gute Fahrerin. Ich sitze hinten, sie und Mary vorn, und ich stelle meine Ohren auf Durchzug.

FN: Bert, worum beneiden Sie Cindy?

Bert: Um ihre guten Nerven. Bei mir liegen sie blank, wenn es um Pünktlichkeit geht. Wenn ich im Stau stehe, werde ich wahnsinnig.

Cindy: Es scheint ein Gesetz zu sein, dass man grundsätzlich dann in einen Stau gerät oder alle Ampeln auf rot schalten, wenn man zu spät dran ist. Deshalb habe ich mir jetzt auch mehr Pünktlichkeit angewöhnt.

Bert: Wir haben damals Situationen erlebt . . . Zum Verrücktwerden! Aber das ist alles vergessen.

FN: Und es scheint jung zu halten.

Cindy: Man muss einfach ein bisschen Spannung ins Leben bringen . . . Bert: Das Gemeine war ja, dass ich ihre Unpünktlichkeit immer ausbaden musste. Sie ist dann verschwunden, und ich hab' die Anpfiffe abbekommen. Und dann kam immer ihr lapidarer Spruch: Dass du dich immer so aufregen musst, es hat doch alles geklappt.