Fränkische Nachrichten06.04.2004

"Ich sehe das ganz realistisch"

Elli genießt ihren Titel "Superstar" mit Vorsicht / Im August wird erst mal Examen gemacht

Von Sabine Küssner

Elli "Moment, ich muss mal für einen Moment dem Navigationssystem zuhören!" - nur kurz unterbricht Elli das FN-Interview, und dann kann’s schon weitergehen. Sie fährt gerade zu einem Dreh, ist heute hier und morgen da, immer mit ihrer ersten Single "This Is My Life" im Gepäck. Seit einem knappen Monat darf sich die 24-jährige Studentin aus Niederbayern Deutschlands neuer "Superstar" nennen. Ein Titel, den Elli mit Vorsicht genießt: "Superstars sind für mich U2 oder Robbie Williams."

FN: Elli, denkst du manchmal noch, du hättest das alles nur geträumt?

ELLI: Ich hatte Zeit, es zu realisieren und zu verarbeiten. Morgens stehe ich auf und freue mich auf das, was auf mich zukommt. Es ist alles sehr reell.

FN: Du bist wohl nicht der Typ, der sagt: Juhu, ich bin ein Superstar?

ELLI: Als Superstar sehe ich mich noch nicht. Superstars sind für mich andere Leute. Um das zu werden, muss man vieles leisten. So lautete der Titel der Sendung und ich trage ihn jetzt. Ich sehe das jedoch ganz realistisch. Bis dahin ist noch viel Arbeit!

FN: Wen würdest du denn als echten Superstar bezeichnen?

ELLI: Künstler, die schon sehr lange im Geschäft sind. U2 und Robbie Williams zum Beispiel.

FN: Ist es nicht komisch, wenn sich auf einmal halb Deutschland Gedanken über deine Frisur oder deine Brille macht?

ELLI: Ja, schon. Aber ich denke mir einfach meinen Teil und mach’ mir keinen Kopf deswegen.

FN: Bist du ein bisschen vorsichtiger geworden mit deinen Äußerungen?

ELLI: Ja, man passt schon ein bisschen mehr auf als vorher, wie man etwas formuliert oder ob man jemandem etwas erzählt oder nicht. Man weiß ja nie, ob einem der Gesprächspartner wohlgesonnen ist oder ob er nur Lust hat, was Schlechtes über einen zu schreiben. Aber eigentlich gibt es nichts, was man Blödes über mich berichten könnte.

FN: Hast du Leute um dich herum, die dich beraten, zum Beispiel auch, wie du mit bestimmten Medien umgehen solltest?

ELLI: Ganz am Anfang von "Deutschland sucht den Superstar" haben wir schon Tipps bekommen. Mit meinem Management arbeite ich sehr eng zusammen, da bekomme ich natürlich auch Ratschläge.

FN: Hast du noch Kontakt zu den anderen Kandidaten?

ELLI: Ja, vor allem mit Denise, aber auch mit Benny, Philippe, Ricky und Anke. Von einigen könnte ich mir vorstellen, dass sie Freunde fürs Leben werden. Denise zum Beispiel ist so jemand. Wir haben so viel zusammen erlebt und die längste Zeit verbracht. Mit ihr werde ich bestimmt sehr lange in Verbindung bleiben.

FN: Kannst du das Gefühl beschreiben, wie es war, nach einem Auftritt vor der Jury zu stehen und ihr Urteil abzuwarten?

ELLI: Oft habe ich mich vom Auftritt her noch in einer Art Film befunden, so dass ich gar nicht so richtig registriert habe, was sie zu mir sagten. Das ging so manches Mal an mir vorbei. Oft war es auch so, dass ich dachte, so, jetzt bringt schnell eure Kommentare hinter euch, damit ich wieder ‘runtergehen kann. Und wenn mal was Negatives gekommen ist, nahm man sich das natürlich zu Herzen, hat sich aber andererseits auch nicht davon ‘runterziehen lassen.

FN:Wie ist es, sich selbst im Fernsehen zu sehen?

ELLI: (lacht) Total komisch! Gerade die ersten Male war es seltsam. Du schaust dich im Fernsehen an, siehst irgendwie anders aus und wirkst so groß. Aber man gewöhnt sich schnell daran. "Deutschland sucht den Superstar" ist ein Crashkurs. Man gewöhnt sich an alles sehr schnell, man lernt innerhalb kürzester Zeit sehr viel und sehr schnell.

FN: Aber du hattest wohl auch das richtige Alter dazu. Denise wäre vielleicht doch ein bisschen jung gewesen.

ELLI: Das hat man am Schluss gemerkt, als es immer enger wurde. Da hatte sie wirklich zu knabbern. Sie wusste nicht, ob sie dem Druck standhalten würde, und war dann auch ein kleines bisschen froh, dass sie nicht gewonnen hat.

FN: Wann kommt denn dein Album heraus?

ELLI: Im Sommer erscheint erst noch mal eine Single. Im August mache ich Examen und das Album wird dann im Herbst ‘rauskommen. Das verbinde ich dann vielleicht mit einer kleinen Tour - das wär’ mein Traum.

FN: Und das Examen fürs Lehramt packst du noch irgendwie zwischenrein?

ELLI: Das habe ich mit meiner Plattenfirma abgeklärt. Vier Wochen vorher habe ich dann nicht mehr so viele Termine, damit ich mich wirklich hinsetzen und lernen kann.

FN: Du baust also vor, falls es mit der Karriere doch nicht hinhauen sollte?

ELLI: Man hat einfach was in der Hand und kann in den Beruf zurückkehren, falls alles andere nicht klappen sollte.

FN: Und das Album wird definitiv nicht von Dieter Bohlen produziert?

ELLI: Ja. Es werden eigene Sachen mit drauf sein, dazu noch Stücke von meiner Band. Momentan bin ich mit dem ehemaligen Gitarristen und der Keyboarderin der Band noch am Schreiben. Andere Produzenten haben mir auch Songs zugeschickt. Da höre ich mich gerade durch und treffe dann eine Auswahl fürs Album. Auf jeden Fall ist nichts von Dieter Bohlen dabei.

FN: Hast du noch Kontakt zu ihm?

ELLI: Momentan gar nicht. Ich würde aber gern! Aber es ist halt so: Er hat seine Sachen zu tun und ich bin gerade auch viel unterwegs. Irgendwann trifft man sich bestimmt und dann passt es auch alles.

FN: Ihr habt also ein entspanntes Verhältnis?

ELLI: Ja, wir haben keinen Streit.

FN: Wo siehst du dich in einem Jahr?

ELLI: In einem Jahr hätte ich gerne ein erfolgreiches Album gemacht und eine schöne Tour hinter mir. Ich wäre gerne noch erfolgreich im Geschäft. Aber so, dass mir das Ganze nicht über den Kopf wächst. Es soll schon viel los und auch mal stressig sein, aber dennoch auch entspannt zugehen. Es soll nicht in Bahnen laufen, in denen ich mich nicht wohlfühle.



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