![]() | 09.08.2007 |
"Glücklich zu sein ist das schönste Gefühl der Welt"
Engelbert Humperdinck geht zum Jubiläum seines Welthits „Release Me” wieder auf Tournee
Von Sabine Küssner
„The Last Waltz”, „A Man Without Love”, „There Goes My Everything” und natürlich „Release Me” - diese und viele weitere Hits machten Engelbert Humperdinck weltweit zum „King of Romance”. Sein Charme und der Schmelz seiner Stimme lassen Frauenherzen höher schlagen, und es soll auch Männer geben, die bei Engelberts Liedern ins Träumen geraten. 40 Jahre alt ist sein allergrößter Erfolg „Release Me” inzwischen, aber auch heute noch genauso gern gehört wie damals. Grund genug für Engelbert, der eigentlich Arnold George Dorsey heißt, auf eine ausgedehnte Welttournee zu gehen, die ihn auch nach Deutschland führen wird. Kurz vor dem Start seiner Südostasien-Tournee gab der Künstler, der in Amerika und England lebt, den FN folgendes Interview:
FN: Engelbert, wenn Ihnen vor 40 Jahren jemand prophezeit hätte, dass Sie auch mit 71 noch auf Tourneen gehen und außerdem immer noch sehr gut aussehen, hätten Sie das geglaubt?
ENGELBERT: (lacht) Nein, bestimmt nicht! Ich hätte das für absoluten Quatsch gehalten. Niemals hätte ich geglaubt, dass meine Karriere so lange andauern könnte. Ich bin sehr stolz, dass ich immer noch auf der ganzen Welt auftrete - vor allem in diesem Jahr, in dem mein Song „Release Me” 40 Jahre alt wird.
FN: Und was sagen Sie zu Ihrem Aussehen?
ENGELBERT: (lacht) Ich weiß nicht! Vielleicht habe ich von meinen Eltern gute Gene mitbekommen. Dass ich heute in Beverly Hills lebe, heißt nämlich nicht, dass ich ständig zum Schönheitschirurgen gehe und Faceliftings machen lasse. Ich habe noch nie an mir herumscheiden lassen.
FN: Stimmt es, dass in Ihren Adern auch deutsches Blut fließt?
ENGELBERT: Ja, mein Großvater mütterlicherseits war Deutscher!
FN: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf diese 40 Jahre zurück?
ENGELBERT: Ich hatte einfach sehr viel Glück. „Release Me” schenkte mir eine Weltkarriere. Und ich habe wundervolle Fans überall auf der Erde. Sie machten einmal eine Aufstellung, welche Künstler weltweit am meisten Platten verkauft haben. Da bin ich in den Top 5!
FN: Spürten Sie bereits, als Sie „Release Me” aufnahmen, dass das ein ganz großer Hit werden wird?
ENGELBERT: Mit dem Durchbruch hat es drei Monate lang gedauert, dann hatte ich einen Fernsehauftritt im London Palladium. Am nächsten Tag verkaufte sich der Song in Großbritannien 90 000 Mal, in den darauffolgenden sechs Wochen zweieinhalb Millionen Mal. Dann wurde es weltweit veröffentlicht und schoss überall in den Hitparaden auf Platz eins.
FN: Sie waren 31, als Sie ein Weltstar wurden. Als ganz junger Mann hätten Sie vielleicht Schwierigkeiten gehabt, mit dem plötzlichen Ruhm zurechtzukommen, oder?
ENGELBERT: Ja, das stimmt. Ich hatte zuvor viel in kleinen Clubs gespielt und Erfahrungen gesammelt. Und als ich dann diesen Riesenerfolg hatte, wusste ich auch, damit umzugehen.
FN: Sie sind seit 1964 verheiratet - das ist in Ihrem Business eine unglaublich lange Zeit. Wie lautet Ihr Rezept für eine gute Ehe?
ENGELBERT: (lacht) Vielleicht liegt es da ran, dass ich sehr viel von zuhause weg bin und arbeite! Wir kommen sehr gut miteinander klar und können auch mit den vielen Trennungen umgehen. Wenn ich dann wieder nach Hause komme, ist es jedesmal ein neues Wiedersehen.
FN: Ihre Frau Patricia darf bei den vielen weiblichen Fans, die Sie haben, nicht gerade eifersüchtig sein!
ENGELBERT: Etwas Eifersucht ist ganz normal. Es zeigt, dass man liebt.
FN: Sind Sie selbst eifersüchtig?
ENGELBERT: Ja, und ich denke, ich wäre es auch, wenn Patricia meinen Part hätte.
FN: Sie haben eine lange Bühnenerfahrung. Wie geht es Ihnen heute unmittelbar vor einem Auftritt?
ENGELBERT: Da bin ich nervös, sehr nervös. Meine Hände sind dann eiskalt. Aber nach zehn Minuten ist alles in Ordnung.
FN: Was bedeutet Ihnen Luxus?
ENGELBERT: Er zeigt mir, dass ich hart gearbeitet habe und ihn deshalb auch verdiene. Es war kein einfacher Weg, im Gegenteil, es war teilweise sehr hart. Showbusiness ist nicht so einfach wie viele Leute denken. Man ist so viel unterwegs! Ich lege pro Jahr an die 500 000 Kilometer zurück. Allein schon das Reisen ist Arbeit für mich. Doch ich genieße es so sehr, auf der Bühne zu stehen. Das macht alles wieder wett. Es ist ein wahnsinniger Nervenkitzel. Wenn man rausgeht auf die Bühne und die Leute anfangen zu applaudieren, wenn sie aufstehen - das ist ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann.
FN: Und auf das Sie bestimmt nicht verzichten möchten.
ENGELBERT: Ja, ich werde so lange weitermachen, bis der liebe Gott mich ruft! (lacht)
FN: Haben Sie eine Sammelleidenschaft?
ENGELBERT: Früher einmal, ja. Wenn ich unterwegs ein Antiquitätengeschäft gesehen habe, dann habe ich gerne etwas für mein Haus gekauft. Aber ich sammle keine Gemälde oder so was. Was ich sammle, ist Glück. Glücklich zu sein ist das schönste Gefühl der Welt. Es ist sehr selten und man muss hart kämpfen, um es zu behalten.
FN: Engelbert privat - man liest, dass Sie ein guter Golfspieler sind und Ihre Harley Davidsons lieben, stimmt das?
ENGELBERT: (lacht) Oh ja! Erst gestern war ich wieder unterwegs. Ich lebe in England in den Midlands und gestern war ein herrlicher Tag für einen Motorradausflug.
FN: Kochen Sie gerne? Und sind Sie ein ordentlicher Mensch?
ENGELBET: Ja, ich koche gern! Manchmal einfach nur für meine Frau und mich. Und ich bin sehr ordentlich! Ich räume immer alles auf und putze auch die Küche, wenn ich gekocht habe. (lacht)
FN: Sie sind auch schon Großvater. . .
ENGELBERT: Leider sehe ich meine Enkelkinder nur sehr selten. Sie leben so weit entfernt. Bis jetzt sind es drei und sie sind noch sehr klein. Aber ich bin sehr stolz auf sie.
FN: Welches Programm erwartet Ihr Publikum bei Ihren Konzerten in Mannheim und Frankfurt?
ENGELBERT: Ich werde dieselben Lieder singen wie jetzt auf meiner kommenden Südostasien-Tournee. Natürlich kann ich nicht alle meinen großen Hits spielen - denn ich habe bis jetzt immerhin 77 Alben veröffentlicht. Einige davon, die auch auf meinem neuen Best of-Album „The Winding Road” zu finden sind, werde ich aber auf jeden Fall singen. Außerdem enthält mein Konzertprogramm auch Songs meiner neuen CD „Best of British Composers” mit Stücken von Paul McCartney, Eric Clapton oder James Blunt.
FN: Werden Sie allein auf der Bühne stehen?
ENGELBERT: Nein, ich bringe meine eigene achtköpfige Band mit. Ein schöner Sound ist garantiert!
FN: Fahren Sie dann mit der Band im Tourbus mit?
ENGELBERT: Wahrscheinlich habe ich meinen eigenen Wagen. Aber ich liebe Tourbusse! So wie Willie Nelson zum Beispiel. Ich bin wirklich gern im Tourbus unterwegs. Man hat da sein Bett, seinen Fernseher, man kann relaxen oder am Computer arbeiten.
FN: Sie kennen sich mit Computern aus?
ENGELBERT: Ja, das ist toll! Ich schreibe gern E-Mails. Für die geschäftliche Seite habe ich natürlich einen Manager, der übrigens auch schon Frank Sinatra betreute. Er ist sehr gut.
FN: Was wünschen Sie sich?
ENGELBERT: Ich möchte schlicht und einfach so weitermachen. Weiterhin diese Freude an meinem Beruf zu haben - das ist alles, was ich will. Ich will kein Kinostar sein. Ich will einfach nur singen, Live-Shows machen, Fernsehauftritte haben, das ist es!