Fränkische Nachrichten26.03.2003

"Das ist ein richtiger Knochenjob"

FN-Interview mit Birgit Langer, der Leadsängerin des "Fernando Express"

Von Sabine Küssner

Fernando Express Seit über 20 Jahren düst der "Fernando Express" durch deutsche Lande - und das unter Volldampf. Jährlich legen Birgit Langer, Josef Eisenhut, Klaus Lorenz und Hans Olbert rund 80 000 Kilometer zurück und gelten längst als die "Könige der Tanzpaläste". Das quirlige Quartett aus dem Unterland ist Spezialist für Themen, die das Herz eines jeden Reiseveranstalters höher schlagen lassen: Urlaub, Sommer, Sonnenschein. "Südlich der Sehnsucht" ist denn auch der malerische Titel des neuen Albums. Bei der "SWR4-Starparade" in Stuttgart unterhielten sich die FN mit Leadsängerin Birgit Langer über Licht- und Schattenseiten ihres Berufs und über das Wahrnehmungsvermögen "ihrer" Männer.

FN: Birgit, der "Fernando "Express" feierte kürzlich seinen 20. Geburtstag. Was war das für ein Blick zurück?

Langer: Ein überraschter! Die Zeit ist so schnell vorbeigegangen. Ich bin jetzt auch schon seit 13 Jahren dabei. Die Jahre vergingen wie im Flug. In diesem schnellebigen Musikgeschäft ist man dankbar, wenn es so lange so gut läuft und das Publikum einem treu bleibt.

FN: Sie wurden damals in der Rudi-Carrell-Show mit einem Lied von Mandy Winter entdeckt. Mandy Winter kennt heute so gut wie niemand mehr . . .

Langer: Das ist kurios. Sie hatte damals ja die Hits "Julian" und "He’s A Man" aus der Fernsehserie "Peter Strohm" und ich imitierte sie. Wenn ich diese Geschichte heute erzähle, werde ich oft gefragt, wer Mandy Winter ist. Und da sind wir wieder beim kurzlebigen Musikbusiness . . .

FN: Wie schätzen Sie dieses Geschäft ein?

Langer: Alles hat zwei Seiten, aber die positiven überwiegen. Der Veranstalter Manfred Schulte sagte gerade eben einen guten Satz: Wir sind irgendwie alle eine große Familie. Die allermeisten Kollegen sind sehr nett. Aber natürlich ist es auch ein hartes Geschäft. Diese Seite sieht man als Zuschauer natürlich weniger. Da steckt viel Arbeit dahinter, und es ist nicht selbstverständlich, zu bestehen. Wir haben oft Tage, an denen wir bis zu 18 Stunden arbeiten. Nicht selten fahren wir Tausende von Kilometern und kommen gar nicht zum Schlafen.

FN: Der "Fernando Express" scheint jedoch in allen Teilen Deutschlands mehr unter Dampf zu stehen als im Süden, seinem "Heimatbahnhof".

Langer: Da haben wir wieder die Geschichte vom Propheten, der im eigenen Land nicht viel gilt. Kurioserweise spielen wir viel in den neuen Bundesländern, im Norden und in Bayern - durch den SWR jedoch auch im Süden. Hier in unserer Gegend gibt es relativ wenig Tanzlokale, in denen noch Livemusik gespielt wird, und wenig Veranstalter, die sich das leisten können. Wir sind über jeden Termin froh. Bei unserem Jubiläumskonzert in Zaberfeld hätten wir weit mehr als 1500 Karten verkaufen können, wenn wir ein größeres Zelt zur Verfügung gehabt hätten. Wenn mehr Veranstalter den Mut hätten, so etwas durchzuziehen, wäre das hier auch machbar.

FN: Wo kommen Sie alle denn genau her?

Langer: Hans, unser Schlagzeuger, stammt aus Heilbronn, Keyboarder Klaus ist aus Weinsberg, ich bin ursprünglich aus Weingarten bei Karlsruhe, wohne aber bei Ludwigsburg, und unser Bandleader Josef kommt aus Gondelsheim.

FN: Sie und Ihre Gruppe werden gerne als "Könige der Tanzpaläste" bezeichnet. Gefällt Ihnen dieser Beiname?

Langer: Das ist witzig, denn der Ausspruch kommt nicht von uns, sondern von Uwe Hübner. Wir waren mit ihm auf Tour, und er kennt unsere Bandgeschichte genau. Er weiß, dass wir zu 60, 70 Prozent Tanzabende spielen. Das ist ein richtiger Knochenjob. Da steht man fünf, sechs Stunden auf der Bühne und gibt alles.

FN: Wie stimmen Sie Ihr Outfit ab?

Langer: Wir sprechen uns natürlich ab und haben auch schon Kostüme von einem Designerteam schneidern lassen - vor allem für unsere Fernsehauftritte. Das ist nicht immer ganz einfach.

FN: Und wie finden "Ihre" Männer Ihre Bühnengarderobe?

Langer: (lacht) Ich glaube, die nehmen das gar nicht mehr wahr. Wir sehen uns so oft - da fällt eine Veränderung gar nicht mehr auf.



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