16.03.2002

Wenn zwei Seelen in einer Brust schlummern

Ein Gespräch über die Frage, was man fragen könnte und darüber, wie man einen sonnigen Vorfrühlingstag ohne Auftritt verbringen würde

Die Flippers im Interview mit Sabine Küssner

Draußen scheint die Sonne, drinnen im verrauchten VIP-Raum sitzen die "Flippers" - Bernd Hengst, Olaf Malolepski und Manfred Durban. Noch zwei Stunden bis zum Auftritt bei der "SWR 4 -Starparade". Von den 9000 Menschen sind eine ganze Menge nur wegen ihnen in die Stuttgarter Schleyer-Halle gekommen. Haben Blumen mitgebracht und Weinflaschen, haben Briefe geschrieben und Bilder gemalt. Manfred, von seinen Fans nur "Manni" gerufen, wird gar ein knallrotes Plüschherz geschenkt bekommen. Aber noch ist es nicht soweit - Gelegenheit für ein FN-Interview mit Bernd Hengst und Manfred Durban. FN: Bernd und Manfred, Sie können sich die erste Frage aussuchen.

Durban: Hm, was könnten Sie uns fragen?

Hengst: Das ist eine gute Frage zu fragen, was man fragen soll. Man müsste sich mal ernsthaft Gedanken darüber machen, was man gefragt werden möchte. Denn eigentlich wird man immer das Gleiche gefragt.

Durban: Ich weiß nur, was ich nicht gefragt werden möchte: Ständig werden wir gefragt, wie wir uns unseren Erfolg erklären.

Hengst: Fragen Sie mich mal, wie ich über manche Frager denke.

FN: Wie denken Sie über manche Frager?

Hengst: Bitte fragen Sie mich nicht!

Durban: Fragen Sie mich mal, was ich an einem solch schönen Tag wie heute machen würde, wenn ich nicht auftreten müsste.

FN: Manfred, was würden Sie an solch einem schönen Tag wie heute machen, wenn Sie nicht auftreten müssten?

Durban: Ich wäre sehr früh aufgestanden und mit meiner Frau spazieren gegangen. Dann wäre ich wahrscheinlich noch Motorrad gefahren.

FN: Sie fahren Motorrad? So richtig "Easy Rider"-mäßig?

Durban: Nein. Aber ich düse gerne durch den Schwarzwald. Und heute abend wäre ich mit meiner Frau essen gegangen.

FN: Das schaffen Sie doch trotzdem noch!

Durban: Schon, aber wahrscheinlich hat sie bis dahin bereits gekocht.

Hengst: Da schlummern immer zwei Seelen in einer Brust. Auf der einen Seite ist es eine tolle Sache, in solch einer riesigen Halle vor tausenden von Menschen aufzutreten. Das reizt schon. Andererseits hätte ich an einem Tag wie heute mit meiner Frau und ein paar Bekannten Golf gespielt. Jetzt gingen sie eben ohne mich.

FN: Bernd, gibt es etwas, worum Sie Manfred beneiden?

Hengst: Ja! Um seine Enkelkinder. Mein Sohn wird jetzt 35, aber er spurt in dieser Beziehung nicht so richtig.

FN: Und Sie, Manfred? Worum beneiden Sie Bernd?

Durban: Er ist viel ordentlicher als ich. Und außerdem kennt er sich in Büroangelegenheiten viel besser aus. Auch, was Computer betrifft. Ich fange jetzt erst damit an, doch Bernd weiß schon so viel, dass ich mich gar nicht mehr traue, ihn irgendetwas diesbezüglich zu fragen.

FN: Bernd, stimmt das alles?

Hengst: In einem kann ich ihn beruhigen: Ohne meine Frau könnte ich den Bürokram auch nicht mehr bewältigen. Sie hat da sehr viel übernommen.

Durban: Aber es macht dir ja auch Spaß.

Hengst: Ja, sehr viel sogar!

FN: Sie sind der einzige der Flippers, der eine eigene Homepage hat.

Hengst: Die habe ich mir selbst zusammengebastelt.

FN: Sie hören gerne "Queen", ist da zu lesen. Manfred, was gibt's bei Ihnen zu Hause auf die Ohren?

Durban: Ich mag die Righteous Brothers sehr, auch The Mamas & Papas, die Beatles und natürlich Elvis. Der Rock 'n' Roll hat mich geprägt.

FN: Bernd, Sie tragen heute eine schwarze Lederhose. Hätten Sie nicht manchmal Lust, auf der Bühne so richtig loszurocken?

Hengst: Die Lederhose kann ich erklären. Im letzten Vierteljahr habe ich zugenommen. Und diese Lederhose passt mir zur Zeit einfach am besten. Nicht Leder, weil Leder, sondern weil es gut passt!

FN: Aber wie sieht's mit den rockigen Flippers aus?

Durban: Vor zehn Jahren hat uns das schon gereizt. Aber in den letzten zwei, drei Jahren hatte ich keinen Bock mehr drauf. Da bin ich jetzt auch ein bisschen aus der Übung. Wenn aber einer sagen würde: Wir treffen uns mal in einem Keller und lassen die Sau raus, dann würde ich natürlich schon mitmachen!

FN: Sie gehen in diesem Jahr nicht auf Tournee. Ist das eine Auszeit?

Hengst: Auch vor der letzten Tournee hatten wir ein Jahr ausgesetzt. Und das hat sehr gut geklappt. Wir ruhen ein Jahr aus und machen dann wieder eine richtig große Tournee. Ich hoffe, das funktioniert auch diesmal!