Fränkische Nachrichten17.02.2006

"Zwischen Bühne und Universum"

Gitte Haenning tourt erfolgreich mit Wencke Myhre und Siw Malmkvist / Konzert in Würzburg

Von Sabine Küssner

Gitte Hänning Seit zwei Jahren touren sie schon mit ihrer Show "Gitte Wencke Siw" durch die großen Konzerthallen - und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Dänin Gitte Haenning, Wencke Myhre aus Norwegen und die Schwedin Siw Malmkvist sind nicht nur einzeln, sondern erst recht als Trio unschlagbar und haben eine Menge Spaß auf der Bühne. Zur Zeit gastiert die munteren Nordlichter vier Tage hintereinander in Bremen, wo sich Gitte Haenning gestern Zeit für folgendes Interview nahm:

Frau Haenning, wenn Ihnen jemand prophezeit hätte, dass Ihre Show so erfolgreich wird - wie hätten Sie reagiert?

HAENNING: Wir sind jetzt schon zwei Jahre unterwegs! Keine von uns hätte damit gerechnet! Und es ist total gegen meinen persönlichen Plan, weil ich bereits mein Soloprojekt "Johanson" gestartet hatte. Ich schob es dann ein bisschen auf die Seite in der Annahme, es sei nur mal eine kleine Zwischengeschichte.

Und diese "Zwischengeschichte" war die Idee von Wencke Myhre?

HAENNING: Es war Wenckes und Siw Malmkvists Idee. Sie kennen sich ja schon länger und hatten eine ähnliche Show mit Lil Babs in Stockholm. Wenckes Gedanke war, diese Stockholmer Show mit drei Skandinavierinnen in Deutschland zu machen. Ich erkannte sofort, dass das eine lustige Sache wird, und habe zugestimmt.

Was für ein Publikum kommt in Ihre Show?

HAENNING: Im Grunde genommen drei Generationen. Viele erwarten natürlich nur die Schlager, aber sie bekommen etliches mehr.

Allein Gitte Haenning, das ist ja auch Blues, Jazz, Musical.

HAENNING: Ich versuche mich darin! (lacht). Ich versuche mit dem Bauch dem nachzugehen, was meinem Gefühl entspricht.

Sind Sie eher ein Bauch- oder ein Kopfmensch?

HAENNING: Beides. Ich habe Respekt vor der Intuition. Ich entscheide mich oft mit dem Bauch. Es muss nicht immer das Richtige sein, aber ich versuche die Intuition immer wichtig zu nehmen.

Sie bekommen viel Anerkennung und Liebe, wenn Sie auf der Bühne stehen. Ist es das, was Künstler so süchtig nach der Bühne macht?

HAENNING: (lacht) Sie meinen, die sie sonst nicht in ihrem Privatleben haben? Für mich ist es künstlerisches Schaffen. Ich nehme die Aufgabe ernst, die mir von meinem Vater erteilt wurde und die ich vielleicht gar nicht selbst gewählt habe. Es ist möglich, dass ich so etwas trotzdem später im Leben gemacht hätte. Dazu muss man schon auch lernen. Man braucht nicht nur Talent, sondern auch Respekt vor anderen Dingen, wenn man einen Beruf auf der Bühne ausüben will. Diesen Respekt habe ich und den Willen, hohe Qualität zu erreichen.

Was geht Ihnen in dem Moment, in dem Sie raus auf die Bühne gehen, durch den Kopf? Fluchtgedanken vielleicht?

HAENNING: (lacht) Ich möchte den Leuten etwas geben und verbunden werden mit der Aufgabe, die ich mir gesetzt habe. Und ich möchte ein großes Herz erreichen und das Universum. Das Universum spielt eine große Rolle für mich.

Wie darf ich das jetzt verstehen?

HAENNING: (lacht) Wie Sie wollen! Irgendwie glaube ich an was.

Schauen Sie sich dann auch mal nachts den Sternenhimmel an und kommen ins Nachdenken?

HAENNING: Ich finde das Leben hart, aber vielleicht gerecht, und ich denke, dass uns vieles gegeben wird. Ich versuche, dankbar zu sein und das zu weiter zu entwickeln, was mir gegeben wurde.

Wenn Sie Wencke Myhre als Mensch beschreiben müssten, was fiele Ihnen ein?

HAENNING: Wencke ist eine starke Mutter. Ihre Kinder bewundern sie wegen ihrer klugen Effizienz, die sich bei ihr auch als Künstlerin widerspiegelt. Sie liebt das Showbusiness sehr.

Und Siw Malmkvist?

HAENNING: Siw ist auch Mutter und ihre Kinder lieben sie sehr wegen ihres großen Herzens und ihrer Koboldhaftigkeit. Sie möchte den Menschen auf der Bühne viel Freude schenken.

Und Gitte Hanning?

HAENNING: (lacht) Ich stelle mich als dritte Person für die anderen beiden zur Verfügung und versuche teilweise hin- und herzuspringen, aber auch die Möglichkeit eine Rotation zustande zu bringen, so dass aus uns ein kraftvolles Dreiergestirn wird.

Das hört sich aber sehr bescheiden an.

HAENNING: Finden Sie? Ich finde, das klingt sehr geschnörkelt. (lacht) Ich bin oft ein bisschen philosophisch unterwegs.

Was machen Sie als allererstes wenn sie nach Hause kommen?

HAENNING: Ich wasche sofort. Tag und Nacht (lacht).

Bügeln Sie alles selbst?

HAENNING: (lacht) Ja!

Gerne?

HAENNING: Nein. Aber ich stresse auf diese Art ab. Dann bin ich in Ruhe mit mir allein.

Sie werden, unglaublich, aber wahr, in diesem Jahr 60...

HAENNING: Das versteh’ ich auch nicht! Ich bin mein eigenes Kind geblieben. (lacht) So alt finde ich mich auch nicht, aber das ist nun eine Tatsache und ich muss damit leben. Ich werde versuchen, ein Geburtstagskonzert zu geben. Aber ich nehme mir immer wieder tolle Sachen vor - ob ich es zustande bringe, weiß ich nicht.

Wie schaffen Sie es, so jung und auch so glücklich auszusehen?

HAENNING: Das ist der Kontakt mit dem Universum. Wir sind nur kleine Ameisen, gar nicht wichtig. Aber insgesamt sind wir schon wichtig, weil wir eine Aufgabe bekommen haben. Das Wichtigste ist natürlich die Gesundheit, aber die Psyche nimmt natürlich auch viel Platz ein. Und so glaube ich, wenn man überhaupt eine Arbeit haben darf und ausüben kann, ist das wahrscheinlich Grund für die größte Dankbarkeit, die man heutzutage haben kann. Und das in der Tat wirklich großes Glück.

"Gitte Wencke Siw- Die Show ist am 2. Mai im Würzburger Congress Centrum zu sehen. Karten gibt es bei den FN.



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