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"Ich bin weicher als viele glauben"
Dieter Thomas Heck über Lampenfieber, Kultfiguren und einen gewissen Milchreisbubi-Typen
Von Sabine Küssner
Er gehört zur deutschen Fernsehlandschaft wie die Kerzen zum Adventskranz: Dieter Thomas Heck ist so etwas wie eine lebende Legende. 183 mal hat er die "ZDF-Hitparade" moderiert. Viele weitere Sendungen wie "Die Pyramide", "Das große Los", der "Showpalast", die "Superhitparade", die "Goldene Stimmgabel" und natürlich "Melodien für Millionen" wurden durch ihn zu Quotenrennern. Der Mann mit der unverwechselbaren Stimme sang auch selbst - "Es ist Mitternacht, John" hieß die Nummer -, und zeigte sein Talent als Schauspieler in "Praxis Bülowbogen", "Café Wernicke" und "Tatort". Mit dem Schauspielern liebäugelt er nach wie vor, verriet er den FN am Rande einer SWR4-Veranstaltung in Mainz. Dass er für viele längst zur Kultfigur avanciert ist, sieht Heck, der am 29. Dezember Geburtstag feiert, ziemlich entspannt: "Ich weiß nicht, was es zu bedeuten hat, aber es muss sich um eine Auszeichnung handeln."
FN: Herr Heck, wenn Sie sich alte Aufnahme der "ZDF-Hitparade" anschauen - was geht Ihnen da durch den Kopf?
Heck: Das ist ein komisches Gefühl! Vor kurzem hat mir eine befreundete Cutterin vom ZDF die allererste "ZDF-Hitparade" vom 18. Januar 1969 auf DVD geschenkt. Damals hatte ich eine wesentlich höhere Stimme - das lag natürlich auch am Lampenfieber, das ich heute übrigens immer noch habe! Es ist für mich ein Ausdruck der Achtung vor meinem Publikum. Zu jener Zeit war der deutsche Schlager unglaublich erfolgreich. Wenn da einer nur 80 000 Platten nach einer Sendung verkauft hat, war es ein Flop. 150 000 bis 200 000 waren es normalerweise immer.
FN: Mit Verlaub, Sie wirken auf den früheren Aufnahmen viel älter als Sie damals waren. Heute kommen Sie frischer, jünger rüber.
Heck: Das ist eigenartig, denn viele meiner Freunde sagen das auch. Irgendwie sah ich da wie ein Milchreisbubi-Typ aus.
FN: Für viele sind Sie schlichtweg eine Kultfigur.
Heck: Ich weiß immer gar nicht so recht, was man damit meint. Neulich bat mich mal jemand: "Sag doch bitte einmal mir zuliebe: Rainer, fahr’ ab!" Und ich fragte, warum ich das sagen soll. Die Antwort: "Das ist Kult!" Ich weiß nicht, was es zu bedeuten hat, aber es muss sich um eine Auszeichnung handeln.
FN: Gerne bezeichnet man Sie auch als Urgestein. Ein Urgestein mit einem weichen Herzen, oder?
Heck: Ja. Das hat man neulich in meiner Sendung "Melodien für Millionen" gemerkt. Da blieb mir das Wort im Halse stecken, als eine Mutter nach 14 Jahren ihre Tochter wiedersah, die entführt worden war. Ich bin weicher, als so manche glauben. Aber das ist ja auch nicht schlimm, ganz im Gegenteil.
FN: Sie kennen diese Branche wie Ihre Westentasche. Da braucht man doch auch Ellbogen, oder?
Heck: Nein, da werden Sie sich wundern. Wenn man seine Arbeit vernünftig macht, dann braucht man auch keine Ellbogen. Ich habe für heute zum Beispiel meine Texte geschrieben, wie es sich gehört - und werde auf der Bühne wie immer noch eine ganze Menge mehr erzählen. Damit habe ich ein Gerüst in der Hand und gehe nicht mit dem Motto: "Ich mache mal das, was mir gerade einfällt" auf die Bühne. Das finde ich unprofessionell. Wer sich vernünftig verhält und auch kein Spinner ist, braucht keine Ellbogen.
FN: Sind Sie auf der Bühne ein anderer Mensch?
Heck: Nein, eigentlich nicht. Im Zug, in der Kneipe höre ich von Leuten immer wieder: "Ich habe Sie an der Stimme erkannt!" Das merkt man selbst ja nicht, weil man sich völlig anders hört. Die Stimme gehört zu dem Menschen dazu, das muss eine Einheit sein. Ich finde es immer schlecht, wenn jemand mit frisierter Schnauze auf die Bühne geht.
FN: Sie haben auch schon gesungen und schauspielern gerne.
Heck: "Es ist Mitternacht John" war eine ganz tolle Nummer, aber wahrscheinlich ihrer Zeit voraus. Der Schauspieler Heck hat einiges gemacht, musste aber oft ein Angebot ausschlagen, weil ich wieder eine Sendung vor mir hatte. Man kann das keinem Regisseur zumuten - und somit ist man die Rolle los.
FN: Und wenn morgen wieder jemand auf Sie zukäme mit einer Rolle, die Ihnen auf den Leib geschneidert ist?
Heck: Dann würde ich ganz sicher versuchen, sie anzunehmen.