Fränkische Nachrichten30.03.2004

"Fit wie ein alter Turnschuh"

James Last wird 75 und tourt munter weiter durch die Welt

Von Sabine Küssner

James Last Wie ein 75er sieht er nun wirklich nicht aus, wie er da so herrlich entspannt und mit cooler Weste auf dem Sofa sitzt. Und doch: Am 17. April ist es soweit. Wie als Beweis, dass er noch lange nicht ans Aufhören denkt, geht James Last mit seinem 38-köpfigen Orchester auf Tournee. Im April und Mai sind England, Irland und Skandinavien an der Reihe, im Herbst Deutschland, Österreich, die Schweiz, Belgien, Luxemburg und die Niederlande. Zuvor aber unterhielt sich der weltbekannte Bandleader mit den FN über Komplimente, seine Definition von Luxus und die Freude, mit jungen Leuten Musik zu machen.

FN: James, Sie werden am 17. April 75, was man Ihnen ja gar nicht so recht abnehmen will. Wie jung fühlen Sie sich denn wirklich?

LAST: Wenn ich die Zahl so anschaue und mir überlege, was alles gewesen ist, ist es dann schon eine ganze Ecke hin. Aber ich fühle mich fit.

FN: Wie ein Turnschuh?

LAST: Wie ein alter Turnschuh!

FN: Sie sehen zuweilen recht verschmitzt aus. Sitzt bei Ihnen öfters mal der Schalk im Nacken?

LAST: Moment, ich muss mal nachfühlen.
Nein, ich kann keinen finden! (lacht)

FN: Nehmen Sie das Theater um sich herum eigentlich ernst?

LAST: Es gibt so viel Trouble auf der Welt. Wenn ich auch noch verrückt spielen würde, käme keiner zu unseren Konzerten. Die Leute wollen mal für drei Stunden den ganzen Käse vergessen. Und wenn sie hinterher sagen: "Das war schön, da möchte ich mal wieder hin!", dann hat man was Tolles erreicht.

FN: Was ist denn das schönste Kompliment, das man Ihnen machen kann?

LAST: Junge, mach' weiter! (lacht). Vor kurzem habe ich einen Brief eines 83-jährigen Mannes aus England bekommen. Er schrieb: "Ich war noch nie in Europa. Wegen deiner Musik möchte ich einmal Europa sehen!". Ist das nicht schön? Er wird beim Konzert in Belfast sein, da hole ich ihn mir aus dem Publikum. So etwas ist ein wunderschönes Kompliment.

FN: Ist die Bühne eine Art positive Sucht für Sie?

LAST: Musik im allgemeinen. Viele machen den Fehler, sich abzukapseln und zu denken, nur das, was sie machen, sei richtig. So bin ich überhaupt nicht. Ich höre mir alles an, Klassik, Popmusik. Von allem kann man etwas mitnehmen.

FN: Sie haben ja auch schon mit der Band "Fettes Brot" zusammengearbeitet.

LAST: Ja, das war so positiv! Diese Intensität, mit der junge Leute Musik machen, wünsche ich mir auch für so manchen klassischen Musiker. Da sitzen viele im Orchester, spielen wieder mal die Neunte von Bruckner und jammern hinterher, wie an strengend das sei. Aber die haben doch ein Orchesterstudium gemacht und kennen das doch alles!

FN: Was bedeutet Ihnen Luxus?

LAST: Überhaupt nicht viel. Ein Tag mit meiner Frau und meinen Enkelkindern ist für mich Luxus, denn ich bin ja ständig unterwegs.

FN: Würden Sie sagen, dass Sie in Ihrem bisherigen Leben viel Glück hatten?

LAST: Ja, Glück hatte ich, aber fleißig war ich auch. Es gibt natürlich Leute, die sagen, Musikmachen sei heutzutage durch die Computer ja so einfach. Die haben alle keine Ahnung! Ich brauche Zeit, viel Zeit, damit alles so klingt, wie ich es gerne haben möchte.

FN: Wann haben Sie die besten Ideen? Was sind Sie für ein Arbeitsmensch?

LAST: Das ist unterschiedlich. Oft habe ich abends gute Ideen. Dann mache ich mir geistig Notizen und kann am nächsten Morgen damit anfangen. Ich arbeite auch gerne in den Tag hinein.

FN: Sie stehen mit 38 Leuten auf der Bühne. Wie bekommen Sie die alle unter einen Hut?

LAST: Das ist ganz einfach: Die wollen alle! Ich habe Startrompeter aus Amerika und England dabei. Die fliegen für zwei Titel her, wenn es sein muss. Wenn ich sie frage, dann kommen die, ohne großes Hin und Her. Das ist für mich ein ähnlich schönes Kompliment wie der Brief des 83-Jährigen.

FN: Sind Sie ein gläubiger Mensch?

LAST: Ja, speziell nachdem meine erste Frau gestorben war und ich noch einmal solch eine Frau gefunden habe, dachte ich mir, da spielt das Schicksal eine Rolle mit. Ich glaube, dass da oben jemand die Hand über mein Haupt hält. Manchmal habe ich so ein Gefühl.

FN: Als was für einen Menschen würden Sie sich bezeichnen?

LAST: Als einen ausgeglichenen 75er!

James Last gastiert mit seiner Tournee "My World Of Music" am 5. November in der Stuttgarter Schleyer-Halle (Karten bei den FN) und am 12. November in der Frankfurter Festhalle (Tickets unter Telefon 069/9443660).



zurück