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"Ich war ein schönes Kind"
Helmut Lotti im FN-Interview / Mit seiner „Best Of”-Tournee auch in der Region zu Gast
Von Sabine Küssner
Er verkaufte bis jetzt über zwölf Millionen CDs und darf sich jetzt schon, mit gerade mal 37 Jahren, als „erfolgreichster flämischer Künstler aller Zeiten” bezeichnen. Momentan existieren sage und schreibe weltweit 41 Fan-Websites über ihn. Helmut Lotti ist ganz oben, obwohl er doch von Höhenflügen gar nicht so viel hält, wie er im FN-Interview zugab. Und auch sonst machte der Künstler im Gespräch (das er auf seinem Hometrainer führte) einen sehr bodenständigen Eindruck.
FN: Herr Lotti, Sie sind 1969 geboren. Wollen wir ein bisschen über andere wichtige Ereignisse aus diesem Jahr reden?
LOTTI: Ja, gerne! 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Eddie Merckx gewann zum ersten Mal die Tour de France. Elvis Presley hatte seinen letzten Nummer-eins-Hit zu Lebzeiten in Amerika, „Suspicious Minds”.
FN: Das ist mein Lieblingslied von Elvis.
LOTTI: Meines auch!
FN: Würde Sie ein Flug zum Mond auch reizen?
LOTTI: Ja, aber das ist ein bisschen teuer.
FN: Was würden Sie denn mal so richtig gerne machen?
LOTTI: Eine Euporareise mit dem Fahrrad!
FN: Womit wir wieder bei Eddie Merckx gelandet sind.
LOTTI: Ich muss ehrlich sein, ich sitze gerade im Moment auf meinem Hometrainer. In zwei Wochen werde ich eine große Bergtour fahren, habe aber zu wenig Zeit zum Trainieren.
FN: Der Jumbo Jet brachte 1969 seinen ersten Versuchsflug hinter sich. Sie sind berufsbedingt ein Vielflieger. Mögen Sie es, in der Luft unterwegs zu sein, oder würden Sie vielleicht sogar gerne den Pilotenschein haben?
LOTTI: Nein, ich fliege nicht gerne. Wenn ich nicht fliegen muss, dann fliege ich nicht. Was ich einmal gerne machen möchte, ist Gleitschirmfliegen.
FN: Der Film „Easy Rider” wurde am 26. Juni 1969 uraufgeführt.
LOTTI: Den habe ich noch nie gesehen! Ich kann nicht Motorradfahren, aber wenn, dann würde ich mir eine Harley Davidson kaufen.
FN: 1969 fand auch das legendäre „Woodstock”-Festival statt.
LOTTI: Das habe ich auch noch nie am Stück gesehen. Die Atmosphäre muss riesig gewesen sein.
FN: Wenn Sie damals Teenager gewesen wären, dann im Flower-Power-Look?
LOTTI: Das war so! Ich war ungefähr zehn und hatte immer Schlaghosen an. (lacht)
FN: Waren Ihre Haare auch länger als sie es jetzt sind?
LOTTI: Oh ja, sie reichten bis zu den Schultern!
FN: Fanden Ihre Eltern das gut?
LOTTI: Meine Mutti hat sie mir so gestylt! (lacht)
FN: Ihre Eltern müssen heute ja sehr stolz auf Sie sein!
LOTTI: Ja, natürlich! Mein Vater singt auch selbst, aber mit weniger Erfolg als ich. (lacht)
FN: Und Ihre Mutter schien ja damals schon ziemlich „cool” zu sein!
LOTTI: Das hatte auch mit Geld zu tun. Wenn man die Haare wachsen lässt, muss man nicht ständig den Friseur bezahlen. Jetzt glaubt einem das ja keiner mehr, aber ich war ein schönes Kind! (lacht)
FN: Da würden Ihnen jetzt gewiss viele weibliche Fans widersprechen und sagen, dass Sie auch heute noch gut aussehen. Wie finden Sie sich selbst?
LOTTI: Meine Nase ist schief und ich bin zu klein. Außerdem habe ich zu wenig Haare im Gesicht. Ich sehe jungenhaft aus, aber nicht männlich. Das ist mein Problem. Denn viele Frauen haben gerne einen Macho. Dazu bin ich aber zu klein.
FN: Aber Sie haben eine große Stimme.
LOTTI: Ich habe ein gutes Mikrofon. (lacht)
FN: Kann es sein, dass Sie sehr bescheiden sind?
LOTTI: Nein, ich bin Realist. (lacht)
FN: Cathérine Deneuve hat am selben Tag Geburtstag wie Sie. Wäre das Schauspielern auch etwas für Sie?
LOTTI: Ich kann nicht auf Kommando weinen.
FN: Das kann man vielleicht lernen.
LOTTI: Das glaube ich nicht, dafür bin ich nicht traurig genug.
FN: Dann müssen Sie eben in einem lustigen Film mitspielen.
LOTTI: Das würde ich gerne machen! Vielleicht in einer musikalischen Geschichte, so wie in den Elvis-Filmen.
FN: Sie haben unzählige Preise und Auszeichnungen bekommen. Haben Sie ein extra Zimmer für sie alle?
LOTTI: (lacht). Da ist es bei mir wie in dem Lied „Im tiefen Keller sitz’ ich hier”. Ich will das nicht alles in meinem Haus aufhängen nach dem Motto: Schau mal da!
FN: Also sind Sie doch bescheiden!
LOTTI: Nein, ich will nur nicht übertreiben.
FN: Können Sie mir die letzten Minuten, bevor Sie auf eine Bühne gehen, beschreiben? Wie fühlen Sie sich da?
LOTTI: Nervös. Aufgeregt, aber positiv aufgeregt. Immer, wenn ich etwas Neues machen muss, kann ich noch sehr sehr nervös sein.
FN: Sind Sie ein Perfektionist?
LOTTI: Ich möchte gerne, dass alles ok ist. Aber ich bin nicht schmerzhaft perfektionistisch. Wenn man Perfektionist ist, ist man nie glücklich. Ich bin nie zu 100 Prozent glücklich, aber 80 Prozent schaffe ich ganz oft. In der Schule ist das schon sehr gut.
FN: Wie waren Sie denn als Schüler?
LOTTI: Ich war Primus in der Grundschule, nachher dann nicht mehr, denn ich habe auf der weiterführenden Schule immer noch genauso viel gearbeitet wie in der Grundschule. Es reichte aber aus, am Abend vor einer Arbeit alles gut durchzulesen, um dann keine Probleme zu haben. Das galt aber nicht für Mathematik und Chemie, da war ich nicht gut. Dafür muss man alles auswendig lernen und das wollte ich nicht. Ich kann auch sehr schlecht mit einem Computer arbeiten.
FN: Dann lassen Sie uns mal lieber über Ihre „Best Of”-Tournee sprechen. Was erwartet Ihr Publium?
LOTTI: Ich werde mit 24 Musikern kommen und natürlich alles live spielen. Im ersten Teil werde ich Elvis-Lieder singen - er ist in diesem Sommer seit 30 Jahren nicht mehr unter uns -, und Stücke aus meiner CD „The Crooners”. Im zweiten Teil nehme ich das Publikum mit auf eine musikalische Weltreise. Da singe ich Lieder aus Russland, Lateinamerika, Afrika, aber auch klassische Titel und dann ein bisschen Pop.
FN: Ist es nicht schwierig, 24 Leute unter einen Hut zu bringen?
LOTTI: Das ist toll! Ich habe Geiger dabei. Die passen zu einem Open Air besonders gut, und es ist sehr romantisch, solange es nicht regnet. Wenn es regnet, sind die Geiger die ersten, die verschwinden. In der Vergangenheit hatten wir schon mal mehr als 40 Leute auf der Bühne, das war wirklich nicht einfach.
FN: Sind Sie selbst denn auch romantisch?
LOTTI: Ich singe romantische Titel. Bin ich deshalb Romantiker? Ich weiß es nicht. Natürlich bin ich es auch ein bisschen. Aber was ist überhaupt romantisch?
FN: Es kommt immer auf die Stunde an.
LOTTI: Das finde ich auch. Das ist eine Atmosphäre, die man nicht organisieren kann.
FN: Wir haben vorhin über Elvis gesprochen. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
LOTTI: Ich bin überzeugt, dass es viel mehr gibt als das, was wir sehen können. Allerdings bin ich kein Fan von organisierter Religion.
FN: Welche Musik mögen Sie privat?
LOTTI: Ich höre gerne ganz laut Radio. Außerdem mag ich sehr gerne Jazz. Der ist für romantische Sachen gut, aber nicht, wenn man auf dem Hometrainer sitzt. (lacht)
Mit seiner „Best Of” Tournee gastiert Helmut Lotti am 1. Juni um 20 Uhr auf dem Domplatz in Bamberg, am 2. Juni in´der Alten Oper in Frankfurt, am 7. Juli im Kurpark von Bad Brückenau und am 27. Juli im Großen Elzpark in Mosbach. Karten gibt es bei den FN.