Fränkische Nachrichten01.02.2003

"Zwei Freunde auf dem Weg nach oben"

Marshall & Alexander gastieren nächste Woche in Nürnberg und Bamberg

Von Sabine Küssner

Marshall und Alexander "Zwei Stimmen wie flüssiges Gold!" jubelt ihre Plattenfirma. Und wer bisher nicht wusste, wie sich flüssiges Gold anhört, kann dies auf ihrer aktuellen CD "The Way You Touch My Soul" nachholen. Mit diesem Album touren Marshall & Alexander gerade durch Deutschland - zwei Künstler, die sich schon lange freundschaftlich verbunden sind, haben sich nun auch beruflich gefunden.

Jay Alexander wurde an der Karlsruher Musikhochschule zum Sänger ausgebildet, und Marc Marshall liegt die Musik schon im Blut: Sein Vater ist der berühmte Entertainer Tony Marshall. Marc studierte ebenfalls Gesang und ließ sich darüber hinaus noch in den USA den richtigen Feinschliff verpassen. Mit ihren Liedern haben sie den neuen Begriff "Emotional Pop" kreiert, eine Richtung, die anzukommen scheint: Die Tournee von Marshall & Alexander läuft bestens. Am 4. Februar stehen sie in der Nürnberger Meistersingerhalle auf der Bühne (Karten gibt es bei den FN), und am 6. Februar singen die Beiden in der Bamberger Konzerthalle (Tickets unter Telefon 09 51 / 2 38 37). Das Publikum erwartet hochkarätiger Musikgenuss, die beiden Künstler dagegen, die unplugged zu hören sind, ein richtiger Kraftakt: "Das ist oftmals härter als eine Oper zu singen.", sagte Jay Alexander im FN-Interview.

FN: Marc und Jay, auf Ihrer Homepage werden Sie beide als "Traummänner" bezeichnet. Sehen Sie das selbst auch so?

Marshall: Wenn man in unserem Alter so tituliert wird, ist das natürlich witzig, denn wir sprechen ja nicht unbedingt die Teeniefraktion an. Aber so richtig ernst nehmen wir das nicht.

FN: Was schätzen Sie besonders an Jay?

Marshall: Seine Ehrlichkeit, Offenheit, Zuverlässigkeit. Er ist nicht nur menschlich, sondern auch beruflich ein guter Freund. Unsere Partnerschaft ist mit der eines guten Ehepaares zu vergleichen.

FN: Gibt es auch etwas, das Sie an ihm nervt?

Marshall: Er ist zehn Jahre jünger als ich, und da haben wir schon auch mal unterschiedliche Auffassungen. Aber das stört unsere Zusammenarbeit nicht. Ich wüsste nichts, was mich an ihm so richtig nervt.

FN: Jay, was mögen Sie besonders an Marc?

Alexander: Durch ihn bekam ich die Möglichkeit, Einblicke in die U-Musik zu erhalten. Ich konnte mir vieles von ihm abschauen, denn ich komme ja von der Klassik. Seine Art, die Dinge anzugehen, seine Zielstrebigkeit - das schätze ich alles sehr an ihm. Auch mir fällt nichts wirklich Störendes ein - und das würde ich Ihnen auch sagen, wenn er gerade nicht neben mir säße.

FN: Sie sind zusammen auf Tournee, treten nächste Woche in Nürnberg und Bamberg auf - wie läuft es denn?

Alexander: Ganz toll! Wir freuen uns, dass sich so viele Leute für uns begeistern. Bremen, Hamburg, Berlin - wir kommen in Hallen, in denen man sonst nur die klassischen High-Class-Performances sieht. Dass man uns auf solchen Podien auftreten lässt, uns diese Chance schenkt, sehen wir als große Auszeichnung. Es ist ein erhabenes Gefühl, in solch ehrwürdigen Stätten zu spielen. Das Publikum ist breitgefächert - von der Hausfrau bis zum Professor quasi -, und auch alle Altersgruppen sind in unseren Konzerten vertreten. Natürlich ist man auch mal müde zwischendurch oder einer hat mal die Grippe. Aber wir schaffen es immer wieder, reißen uns auch mal zusammen, um am Abend alles zu geben. Wir machen ein Zweieinhalb-Stunden-Programm ohne Pause, ohne Netz und Kabel. Das ist oftmals härter als eine Oper zu singen.

FN: Wenn man Berichte über Ihre Konzerte liest, stößt man durchweg auf einhellige Bewunderung.

Alexander: Es ist schön, so viel Positives zu hören zu bekommen. Manchmal ist mir das fast schon ein bisschen unheimlich und ich denke: Da muss doch auch mal ein Hammer kommen! Doch der blieb zum Glück bis jetzt aus. Wir kennen unsere Stärken und Schwächen jedoch sehr wohl.

FN: Gibt's nach der Show jedes Mal eine Manöverkritik?

Alexander: Das ist sehr wichtig. Und sie ist manchmal schon recht scharf. Das gilt sowohl für uns beide als auch für unsere Musiker. Aber nur so ist eine Weiterentwicklung möglich.

FN: Sie haben beide Gesang studiert. Was halten Sie von Geschichten wie "Deutschland sucht den Superstar"?

Alexander: Es ist gut, dass es solch ein Podium gibt. Die Profitierenden sind letzten Endes jedoch nur die Macher und die Plattenfirma. Da geht es nur ums Geldverdienen. Was auf den Schultern des Siegers lasten wird, ist wahnsinnig. Denn er läuft dann ja mit dem Prägestempel "Superstar" auf der Stirn herum. Man muss einmal bedenken, wieviel Jahre härtester Arbeit zu einem richtigen "Superstar" dazugehören, mit einher gehen natürlich auch die menschliche Reife und der Charakter. Die Leute konnten sich in diesem Beruf doch überhaupt noch nicht behaupten. Innerhalb weniger Wochen werden sie auf etwas gebrieft, das sie noch gar nicht sein können. Natürlich gibt es tolle Talente dabei - meine Favoriten Nektarios und Judith sind aber leider schon draußen.

FN: Jay, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Alexander: Gesundheit. Das ist die Basis unseres Daseins. Die Zufriedenheit kommt, wenn es im Beruflichen stimmt. Und dass man noch mehr Leuten, noch mehr Wärme begegnet, gerade in der heutigen Zeit. Dass man die Möglichkeit hat, sein Erdendasein so glücklich wie möglich verbringen zu dürfen - mit wenig Stress und Traurigkeit.

FN: Marc, Ihr Vater wird am Montag 65. Was wünschen Sie ihm?

Marshall: Dass er so gesund und agil bleibt wie jetzt. Dass er noch einige Jahre auf der Bühne stehen kann und das Publkum ihm treu bleibt. Er hat ja sonst schon alles erreicht.

FN: Und was sind Ihre Wünsche für sich selbst?

Marshall: Die Gesundheit ist das höchste Gut. Und die wünsche ich natürlich auch den Menschen, die ich liebhabe. Wichtig ist, das Beste aus sich herauszuholen. Wenn man gesund ist, hat man auch eine Chance dazu.



zurück