Fränkische Nachrichten18.06.2006

"Ich weiß genau, was ich will"

Monika Martin gibt morgen ein Solokonzert im Bad Mergentheimer Kursaal

Von Sabine Küssner

Monika MartinVon Graz nach Bad Mergentheim ist man eine ganze Weile unterwegs.
Aber nicht nur Monika Martin und ihre Crew haben einen langen Weg vor sich, sondern auch ihre Fans, die morgen aus dem benachbarten Ausland in die Kurstadt anreisen werden. Im Kursaal gibt Monika Martin, die einst in Philosophie ihren Doktortitel ablegte und heute als der "stille Star" gefeiert wird, ein Solokonzert mit vielen alten und neuen, aber auch unbekannteren Liedern aus ihrer Karriere. Zuvor gab sie den FN ein Interview, in dem sie gestand: "Ich wirke viel hilfloser und zerbrechlicher, als ich eigentlich bin.".

Monika, Sie hatten am 7. Mai Geburtstag. Sind Sie ein typischer Stier?

MARTIN: Total! Sehr zuverlässig, sehr treu, sehr zielstrebig, aber auch sehr stur. Aber nicht, weil ich unbedingt meinen Willen durchsetzen möchte, sondern weil ich die Dinge so lange überlege und analysiere, bis ich sage: Das ist die beste Variante. Aber natürlich denkt nicht jeder so wie ich.

Ohne diesen Ehrgeiz und diese Sturheit wären Sie vielleicht gar nicht so weit gekommen.

MARTIN: So ist es. Ausdauer, Konsequenz und stetiges Bauen sind für mich wichtig. Das hat auch was mit meinem Bild des Bauens zu tun. Ich würde nie ein Fertighaus hinstellen, das ist für mich auf Sand gebaut. Bei mir muss die Mauer 55 Zentimeter haben mit Vollmassivziegeln (lacht). Ich habe mal ein Möbelhoroskop gelesen, in dem stand, das Lieblingsmöbel für einen Stier-Geborenen sei ein dicker Parkettboden. Der Boden, die Basis muss passen. Und wenn ich meine Laufbahn anschaue, dann habe ich sie von der Basis her so stark gebaut - egal was passiert, ich werde mich keinem Trend unterwerfen, weil ich ganz anders baue.

Braucht man als Person, die in der Öffentlichkeit steht, auch so eine Mauer als Selbstschutz um sich herum?

MARTIN: Das hat man bestimmt automatisch, aber ich denke, das hat weniger mit diesem Beruf zu tun. In meiner Brust wohnen zwei Seelen. Die eine mache ich dann auf, wenn es um das Künstlerische geht, wenn ich Lieder schreibe oder auf der Bühne stehe. Das ist meine verletzbare Seite, die auch nur meine vertrautesten Menschen zu Gesicht bekommen. Und dann gibt es die geschäftliche Seite. Da geht es nicht darum, dass ich so lieb singe, sondern dass ich nicht über den Tisch gezogen werde. Diese Mischung ist mir recht, weil ich mich damit gut schützen kann. Und da spreche ich schon von dieser Mauer, die man von mir zwar nicht vor die Nase geknallt bekommt - aber ich weiß, wann ich sie aufstelle.

Kommt es auch mal vor, dass Sie durch die Art, wie Sie sich als Künstlerin zeigen, unterschätzt werden?

MARTIN: Ja, Sie bringen es genau auf den Punkt. Ich wirke viel hilfloser und zerbrechlicher, als ich eigentlich bin. Für meinen Auftritt und die Glaubwürdigkeit meiner Songs kommt mir das zugute, denn ich bin das ja auch. Aber ich weiß genau, was ich will. Ich bin ein totaler Analytiker und zerdenke alles. Manche bringe ich deshalb fast zur Verzweiflung. Da eilt mir mein Ruf in der Branche auch voraus. Aber wer ein fundiertes Selbstwertgefühl hat, der wird das verstehen und wissen, dass es mir um die Sache und nicht ums Rechthaben geht. Wenn mir jemand mit einem besseren Argument kommt, steige ich sofort von meinem runter.

Treibt Sie das selbst manchmal auch schier zur Verzweiflung?

MARTIN: Ja, ich stehe mir selbst oft im Wege. Da gibt es einen guten Satz: Der tollste Plan für die Wasserleitung löscht nicht den Durst. Ich zeichne 1000 Pläne in meinem Kopf, zum Beispiel, was die Organisation eines Konzertes betrifft. Das sind Dinge, die mich eigentlich gar nichts angehen, denn ich sollte mich ja aufs Singen konzentieren. Doch ich habe nun mal die Verantwortung für alles übernommen.

Sie verlassen sich also am liebsten auf sich selbst?

MARTIN: Ja, aber ich muss wieder lernen, dass man nur dann Freundschaften oder Partnerschaften haben kann, wenn man auch Dinge abgeben kann. Das ist sehr schwer für mich.

Auf Ihrer neuen CD "Schmetterling d’amour" zeigen Sie mit dem Lied "Ich bin bereit" eine andere Seite. Ist das nur ein einmaliger Ausflug oder der Beginn eines Weges in eine neue Richtung?

MARTIN: In der Musik interessieren mich viele Richtungen, und deshalb experimentiere ich auch gerne bei zwei, drei Titeln auf einer CD. Aber man hat es ja bei den "Schürzenjägern" gesehen: Man darf die Menschen nicht verwirren und plötzlich etwas ganz anderes anfangen. Dann ist man nicht mehr glaubwürdig. Zum Glück habe ich mich von Anfang an nicht verbogen. Ich liebe die Schnulze, Musik, die berührt und so richtig schön unkompliziert ist.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie auf der Bühne stehen und die Reaktionen Ihres Publikums sehen?

MARTIN: Das ist die wichtigste Rückmeldung. Ich liebe es bei meinen Konzerten, wenn es im Saal oder in der Halle ein bisschen hell ist - ins Schwarze zu singen ist nicht persönlich. Wenn ich sehe, wie die Leute mitgehen, wenn sie weinen oder lachen - das ist so schön! Und dann noch der Applaus, das schaukelt einen so hoch - da wird man süchtig. Das hat wohl auch mit meinem Karma zu tun, wenn es mich immer auf die Bühne treibt - ich muss da irgend etwas nachholen.

Glauben Sie an Wiedergeburt?

MARTIN: Ich bin überzeugt, dass unsere Seele schon in den verschiedensten Körpern auf der Welt war und noch oft auf die Welt kommen wird, bis sie alles gelernt hat.

Am 17. Juni nehmen Sie am "Grand Prix der Volksmusik" teil. Sind Sie schon ein bisschen nervös?

MARTIN: Eigentlich nicht. Sieben Jahre habe ich mich geweigert, da hin zu gehen, weil ich Angst hatte, 27. zu werden. Und vielen Kollegen ging es genauso. Aber die Einschaltquoten der Sendung gingen immer mehr in den Keller. Wenn wir uns dort nicht mehr hintrauen, gibt es nächstes Jahr keinen "Grand Prix" mehr. Ich habe mir nun mal einen Beruf ausgesucht, in dem man im Wettbewerb steht. Und auch wenn ich 27. werden sollte, werde ich bestimmt keinen einzigen Fan verlieren. Ich habe mein Plätzchen in der Musik und es wird Monika Martin auch danach weitergeben.

Worauf darf sich Ihr Publikum morgen in Bad Mergentheim freuen?

MARTIN: Es wird ein besonderes Solokonzert mit eigener Band und eigenem Chor. Wir reisen zu vierzehnt an, alles ist live gespielt und live gesungen. Ich freue mich sehr darauf, weil ich alles selbst gestalten kann. In meinen Solokonzerten ist solch eine besondere Atmospäre, da sitzen die Leute manchmal so andächtig da wie in der Kirche. Es geht mir um jeden einzelnen, der zu mir ins Konzert kommt. Und nach meinem Auftritt kann man mit mir am Autogrammstand Kontakt aufnehmen - mir Zeit für mein Publikum zu nehmen, ist mir ganz wichtig.

Wissen Sie schon, was Sie tragen werden?

MARTIN: Ich liebe Hosenanzüge. Darin kann ich mich ganz auf meine Musik konzentrieren, denn ich arbeite ja nicht mit meinem Sexappeal, sondern mit meiner Stimme. Deshalb sind auch so viele Frauen in meinem Publikum, denn sie wissen, sie müssen nicht eifersüchtig wegen mir sein. Eine Frau hat mir erzählt, dass mein Bild auf dem Nachtkästchen ihres Mannes steht. Da sagte ich: "Darf das sein?" Sie antworte: "Ja, bei Ihnen darf das sein." Das ist so ein schönes Kompliment von Frau zu Frau.

Das Konzert mit Monika Martin beginnt am morgigen Samstag um 19.30 Uhr (Einlass 18 Uhr) im Bad Mergentheimer Kursaal. Karten gibt es bei der Kurverwaltung, Telefon 0 79 31 / 96 52 25, bei der Tourist Information, Telefon 0 79 31 / 5 71 31, und bei den Fränkischen Nachrichten.



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