Fränkische Nachrichten18.02.2003

"Wir müssen uns selbst wichtig sein"

FN-Interview mit Ramona Leiß über heile Welt, "Superstars" und Fehler, die Frauen oft machen

Von Sabine Küssner

Das Schicksal meinte es nicht immer gut mit Ramona Leiß. Doch sie ließ sich von privaten und beruflichen Tiefschlägen nicht unterkriegen. Heute steht die vielseitige Moderatorin, die auch Bücher und Liedtexte schreibt, wieder strahlend auf der Bühne. Momentan ist die Münchenerin mit der "Starparade der Volksmusik" auf Tour. Am Sonntag gastierten die Künstler in der Pattberghalle Neckarelz. Während Tom Astor sinnigerweise gerade seinen Hit " . . . mit einer starken Frau" sang, gab Ramona Leiß den FN folgendes Interview:

FN: Frau Leiß, Sie touren gerade mit der "Starparade der Volksmusik" durch Deutschland. Wie ist die Resonanz?

Leiß: Sehr gut. Wir freuen uns über die vollen Häuser. Die Menschen haben ein großes Bedürfnis, den Alltag einmal zu vergessen. Sie klatschen, singen mit und gehen mit glücklichen Gesichtern nach Hause. Und das ist genau das, was man sich wünscht. Das ist das Positive an der Volksmusik: Man verbreitet Freude.

FN: Die Volksmusik und ihre heile Welt wird jedoch oft belächelt.

Leiß: Was gibt es denn Schöneres als die heile Welt? Und wenn man sich einmal englische Popmusik anhört - da geht es auch immer nur um Liebe und ums Verlassenwerden. In diesen Texten sehe ich genauso wenig Anwärter für literarische Preise. Musik sollte vorurteilsfrei bleiben.

FN: Sie haben selbst auch gesungen und schreiben Liedtexte.

Leiß: Ich habe viele Liedtexte geschrieben, sowohl für den volkstümlichen Bereich als auch für den Schlager und für englische Popmusik. Das hat mir sehr viel Freude gemacht.

FN: Für wen haben Sie schon getextet?

Leiß: In Englisch unter anderem für Shari Belafonte und David Hasselhoff, in Deutsch beispielsweise für Hanne Haller und Katja Ebstein.

FN: Und jetzt schreiben Sie auch Kinderbücher.

Leiß: Ja, das sind Kinder-Knoff-Hoff-Bücher. Das neueste heißt "So geht's". Die Experimente habe ich alle selbst ausprobiert, und es ist nichts Gefährliches dabei. Auf diese Experimente kann man sich verlassen, sie funktionieren auch. Da gibt es außerdem Geschichten und technische Erklärungen, die sowohl die Kinder als auch Eltern sowie Omis und Opis verstehen. Professor Fritsch, einer der führenden Physiker Deutschlands, hat das Vorwort geschrieben.

FN: In den bunten Blättern kommen Sie momentan wenig vor. Haben Sie sich absichtlich etwas aus der Schicki-Micki-Szene zurückgezogen?

Leiß: Man kann nicht auf jeder Party 'rumhängen. Ich habe ja auch noch meine Familie und mache viel Sport. Es gibt Wichtigeres im Leben.

FN: Möchte Ihr Sohn in Ihre Fußstapfen treten?

Leiß: Er interessiert sich sehr für Sport und denkt daran, Sportjournalist zu werden.

FN: Würden Sie ihm abraten, wenn er einen ähnlichen Weg wie Sie einschlagen wollte?

Leiß: Er soll auf jeden Fall sein Abitur und eine berufliche Ausbildung machen. Für seinen Weg muss er sich selbst entscheiden. Als Künstler hat man es in der heutigen Zeit sehr schwer. Man muss mit persönlichen Rückschlägen fertig werden können. Mir wäre es lieber, er würde sich für einen Job hinter der Kamera entscheiden.

FN: Das Showbiz ist ja angeblich voll von Intriganten und Neidern.

Leiß: Es ist ein Haifischbecken. Das habe ich ja am eigenen Leib erfahren. Ich moderierte den "ZDF-Fernsehgarten" und hatte dabei die höchsten Quoten. Es gab sowohl davor als auch danach keine höheren mehr. Und trotzdem wurde die Sendung umbesetzt. Damit muss man erst mal fertig werden. Es passieren sehr viele Ungerechtigkeiten. Leute, die eine Lobby haben, werden gepusht und kommen besser voran. Aber ich mache meinen Weg und muss niemandem danke sagen.

FN: Was halten Sie von der Talentshow "Deutschland sucht den Superstar"?

Leiß: Das ist eine nette Unterhaltung, mir aber relativ egal. Jedes Jahr wird eben eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Ich finde es allerdings bedenklich, wie diese Leute vermarktet werden. Sie werden hochgepusht, obwohl sich Superstars langsam entwickeln sollten. Man sieht daran, was man alles mit Marketing und den Medien bewirken kann. Das ist beeindruckend.

FN: Sind Sie mit Ihrem Leben zufrieden?

Leiß: Eines ist für mich heute wichtiger als früher: zu mir selbst zu stehen. Wir Frauen machen oft den Fehler, dass wir uns von Lobeshymnen, Streicheleinheiten oder Kritik anderer zu sehr abhängig machen. Wir müssen viel mehr darauf achten, uns selbst wichtig zu sein und nicht darauf zu warten, dass uns jemand über den Kopf streichelt - das müssen wir selbst tun. Es ist ein harter Weg für eine Frau, aber er muss begangen werden. Ich hoffe, ich bin auf dem Weg und lasse mich durch mich selbst nicht davon abhalten.



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