14.10.2002

"Das wird ein klasse Abend werden!"

Bei der "Legends of Pop"-Party in Bad Mergentheim soll's zur Sache gehen / FN-Interview

Von Sabine Küssner

The Rattles So manch einer hat schon mal die Luftgitarre herausgeholt: Nicht mehr lange, dann steigt die "Legends of Pop"-Party von FN und SWR1 in der Bad Mergentheimer Wandelhalle. Auch die Rattles freuen sich schon auf die Stadt und natürlich den 19. Oktober, sagte Dicky Tarrach im FN-Interview. Ein Versprechen hat Tarrach den Fans für Bad Mergentheim im FN-Interview bereits gemacht: Die Rattles werden auch ihre alten Songs spielen, denn: "Logisch, wir stehen ja zu dieser Zeit. Wir spielen eine Mischung, das wird eine richtige Zeitreise. Wir nehmen unseren Job sehr ernst und keiner wird betrunken auf der Bühne stehen. Es wird ein klasse Abend werden und richtig zur Sache gehen." - Karten für die Fete gibt es bei den Fränkischen Nachrichten, bei der Kurverwaltung, Telefon 0 79 31/ 96 52 25, und beim SWR Ticket Service.

FN: Dicky, am 19. Oktober steigt die "Legends of Pop"-Party in Bad Mergentheim. Die Vorfreude, gerade auch auf den Auftritt der "Rattles", ist riesig. Wie erklären Sie sich diese Faszination, die auch heute noch von Ihrer Band ausgeht?

Tarrach: Dass sich schon so viele darauf freuen, finde ich ja oberklasse! Seit 1988 spielen wir intensiv quer durch Europa und sind eine toll eingespielte Truppe. Die Freude und die Erfahrung der letzten 30 Jahre bringen wir einfach gut rüber.

FN: Sie und die Rattles haben viele Fans. Gibt es denn noch jemanden, den Sie bewundern oder gerne kennenlernen möchten?

Tarrach: Wir hatten das Glück, in unserer Karriere ziemlich viele der damals bekannten Leute kennenzulernen. Früher waren Led Zeppelin ein Traum von mir. Aber die richtigen Heroes, die Beatles und die Stones, haben wir alle gesehen.

FN: Wie war das denn, die Beatles und die Stones persönlich kennenzulernen?

Tarrach: Die Rattles würde es ohne die Beatles gar nicht geben. Sie waren der Auslöser, dass wir damals sagten: Was die machen, würden wir auch gerne tun. Wenn wir Fragen hatten, haben die Jungs uns damals sofort geholfen. So ergab es sich, dass der Chef des legendären Starclubs unser Manager wurde. Wir saßen oft mit ihnen zusammen, tranken ein Bier und quatschten über Musik.

FN: Gibt es noch Kontakte?

Tarrach: Ein bisschen, vor allem zu Keith Richards. Aber man will sich ja auch nicht aufdrängen nach dem Motto: "Erinnerst du dich noch an uns . . .?" Obwohl wir eine deutsche Top-Band waren, trennten uns immer noch Welten. Damals machten wir leider einen entscheidenden Fehler: Wir schlugen das Angebot, nach London zu gehen, aus. Aber vielleicht hätte man uns ja auch über den Tisch gezogen . . .

FN: Wie stehen Sie zu der Musik von heute, zum Beispiel von Retortenbands wie No Angels oder Bro'Sis?

Tarrach: Wir hatten unsere Zeit, die haben sie heute. Sie machen ihre Arbeit zum Teil auch gut. Früher hat man im Studio alles live eingespielt, das ist jetzt ja ganz anders. Da sind die technischen Möglichkeiten supergroß. Heute müssen Topstars toll aussehen und gut tanzen können. Jede Zeit hat ihre Leute. Damals dauerte es immer lange, bis sich der Erfolg einstellte. Das geht heute viel schneller. Die Künstler werden auch mit einem Rundum-Management besser beraten, auch finanziell.

FN: Für die eigene Persönlichkeit ist es wohl besser, nicht von jetzt auf nachher zum großen Star hochstilisiert zu werden.

Tarrach: Wenn ich ganz ehrlich bin, gab es auch Zeiten, in denen wir die Nase ein bisschen hoch trugen. Doch das ist lange her. Es gab ja nicht nur die Rattles für uns, wir haben uns alle musikalisch weiterentwickelt und die Branche auch von der Produzentenseite her kennengelernt. Dass wir mit den Kollegen von den Lords die letzten Übriggebliebenen sind, zeigt, dass wir uns durchgebissen haben. 90 Prozent aller Beatbands von damals sind auf der Strecke geblieben - man hat seinen bürgerlichen Job und spielt entspannt als WochenendPartykapelle.

FN: Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben. Hätten Sie sich jemals etwas anderes für sich vorstellen können?

Tarrach: Nee. Aber jetzt im hohen Alter hatte ich Lust auf was anderes. In der letzten Woche habe ich eine Prüfung zum Finanzberater bestanden. Ich kümmere mich auch bei uns in der Band ums Finanzielle. Und so lag das auf der Hand. Es hat mir Spaß gemacht. Ich habe wieder richtig die Schulbank gedrückt.

FN: Die meisten Künstler wollen mit dem finanziellen Kram ja nichts zu tun haben und haben ihre Leute dafür.

Tarrach: Das sieht man oft an denjenigen, denen es hinterher schlecht geht. Sie hatten dann die falschen Berater, wie mein alter Freund Gunter Gabriel zum Beispiel. Man muss sich schon auch selbst darum kümmern.

FN: Wie gefällt Ihnen Achim Reichels neues Projekt "Wilder Wassermann"?

Tarrach: Ich stecke da nicht so richtig drin. Wir verstehen uns jedoch sehr gut. Er geht ja einen ganz anderen Weg. Seitdem sein ehemaliger Texter gestorben ist, hat er sich für meine Begriffe zu stark eingeigelt und zu wenig mit anderen Leuten gearbeitet. An seiner Stelle hätte ich mir Leute aus der jungen Szene geschnappt wie zum Beispiel Fettes Brot. Ich finde es besser, nach vorne zu denken.

FN: Waren Sie schon mal in Bad Mergentheim?

Tarrach: Ich kann mich ganz entfernt erinnern. Damals fand dort eine Messe statt und wir waren an einem ganz tollen Weinstand. Es war supergut und wir hatten ganz viel Spaß. Ich habe Bad Mergentheim in sehr schöner Erinnerung, die ganze Gegend ist sehr schön.

FN: Und Sie werden in der Wandelhalle auch die alten Sachen spielen?

Tarrach: Logisch, wir stehen ja zu dieser Zeit. Wir spielen eine Mischung, das wird eine richtige Zeitreise. Wir nehmen unseren Job sehr ernst und keiner wird betrunken auf der Bühne stehen. Es wird ein klasse Abend werden und richtig zur Sache gehen.