![]() | 27.07.2002 |
"Einfach mal den Alltagsstress vergessen"
Im FN-Gespräch verriet Frontmann Norbert Rier, wie er selbst am besten abschaltet
Von Sabine Küssner
"Wir haben immer versucht, dieselben zu bleiben." sagt Norbert Rier. Dass es nicht beim Versuch geblieben ist, bestätigen die Anhänger der Kastelruther Spatzen gern. Die "glorreichen Sieben" geben sich volksnah, lassen sich Arm in Arm mit ihren Fans fotografieren und verjagen auch niemanden, der sich mal absichtlich auf einen ihrer Bauernhöfe "verirren" sollte. Das Kastelruther Spatzenfest, immer am zweiten Oktoberwochenende, zieht Jahr für Jahr sage und schreibe 40 000 Gäste an.
Die "Spatzen" auf Höhenflug: Längst sind sie die erfolgreichste Volksmusikgruppe überhaupt. Und den 29. August werden sich ihre Freunde schon rot im Kalender angestrichen haben: Da nämlich gastieren sie um 20 Uhr in der Tauber-Franken-Halle von Königshofen. Karten gibt es bei den Fränkischen Nachrichten. Zuvor stand Norbert Rier den FN Rede und Antwort. FN: Herr Rier, Sie sind der Chef der Kastelruther Spatzen. Zu welcher Art "Boss" gehören Sie?
Rier: Ich werde immer als Chef hingestellt, weil ich als Sänger der Gruppe an der Front stehe. Wir sind jedoch ein Team, jeder ist gleichberechtigt. Als Chef fühle ich mich nicht. Nur: Ich muss immer den Kopf hinhalten.
FN: Haben Sie sich schon ein dickes Fell zugelegt?
Rier: Ja, das habe ich im Laufe der Jahre bekommen.
FN: Die Kastelruther Spatzen sind die erfolgreichste Volksmusikgruppe überhaupt. Wie dünn ist die Luft da oben?
Rier: Ich sage immer: Es ist schwer, nach oben zu kommen. Aber es ist noch viel schwieriger, sich oben zu halten.
FN: Wie gehen Sie mit dem Druck um?
Rier: Ich habe zu Hause ja noch meine Landwirtschaft, arbeite viel auf dem Hof. Da schaltet man ab und kann wunderbar die Natur genießen.
FN: Und weiß spätestens dann wieder, was wirklich wichtig ist im Leben?
Rier: Ja, das sowieso.
FN: Sie gelten ja als sehr bodenständig. Haben Sie denn überhaupt keine Laster?
Rier: Ich sage meistens zu oft und zu viel ja. Das wird manchmal ausgenutzt.
FN: Für Ihre Fans sind Sie und Ihre Gruppe die Größten. Wie bleiben Sie da auf dem Teppich?
Rier: Wir haben immer versucht, dieselben zu bleiben. Und ich denke, das ist uns auch gelungen. Wir sind viel zu Hause. Dadurch verlieren wir auch den Kontakt zu den früheren Freunden nicht. Denn man sieht es ja oft im Sport: Wenn es mal nicht mehr so gut läuft, ist man schnell abgemeldet.
FN: Was sagen Sie Kritikern, die Ihnen vorwerfen, Sie würden den Menschen eine heile Welt vorgaukeln, die es gar nicht mehr gibt?
Rier: Wenn man kritisiert wird, ist es immer ein Zeichen dafür, dass man es zu etwas gebracht hat. Wir wollen ja keine Propheten sein. Aber jeder hat wohl die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Wenn ich frühmorgens auf meiner Hütte oben auf der Alm bin und in der Ferne die Kuhglocken läuten höre, dann ist das ein Stück heile Welt für mich. Man muss mit offenen Augen durchs Leben gehen.
FN: Und auch den Blick für die kleinen Dinge am Rande nicht verlieren.
Rier: Ja. Aber heutzutage besteht leider die Gefahr, dass jeder nur noch in seinen Computer schaut und gar keinen Sinn mehr für die Natur und ihre Schönheit hat.
FN: Sie spielen am 29. August in Königshofen. Verraten Sie ein bisschen etwas über das Programm?
Rier: Wir bringen natürlich jede Menge "Spatzen"-Lieder mit. Die Menschen sollen ihren Alltagsstress vergessen, einfach mal abschalten und genießen. Immer wieder kommen nach den Konzerten Leute auf uns zu und sagen: "Danke für die schöne Musik!". Oder: "Durch Ihre Musik haben wir wieder einen Sinn im Leben gefunden." Und das freut uns. Da hat man das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Es ist sehr schön, mit Musik Menschen eine Freude zu machen.