Fränkische Nachrichten30.01.2003

"Eigentlich fühle ich mich wie 40"

Roger Whittaker im FN-Interview / Tournee führt den Künstler auch nach Bamberg

Von Sabine Küssner

Roger Whittaker "Roger, wenn du aufhören würdest, fehlte uns etwas in dieser Welt.", schreibt Anita aus Deutschland. "Vergiss uns in Kanada nicht - wir lieben dich!" fordert Rhonda. John hofft auf eine England-Tournee, und Katrina aus Schweden bedankt sich für all die "Erinnerungen und den Trost durch deine Lieder". Roger Whittakers Gästebuch auf seiner Homepage ist voll von solchen Einträgen. Kein Wunder, dass er seinen Vorsatz, nie mehr auf Tournee zu gehen, über Bord geworfen hat. Seine Fans danken es ihm - für die Tour im Frühjahr wurden schon etliche Zusatztermine anberaumt.

Am Freitag, 25. April, gastiert der Künstler mit der samtweichen Schmeichelstimme um 20 Uhr im Bamberger "Forum". Mit dabei sind natürlich seine großen Hits wie "Albany", "Eloisa" oder "Abschied ist ein scharfes Schwert". Karten für das Konzert gibt es unter Telefon 09 51 / 2 38 37 und www.tix-online.com. Die FN erreichten ihn in seinem neuen Haus in Irland.

FN: Roger, wenn Sie zum Fenster herausschauen - was sehen Sie da?

Whittaker: Ich blicke auf grüne irische Wiesen und Leute, die an meinem Haus arbeiten - es ist noch nicht fertig. Aber wir können schon darin wohnen.

FN: Und diesen Blick auf die grünen Wiesen wollen Sie wirklich mit vielen Hotelzimmern in Deutschland tauschen?

Whittaker: Oh ja! Ich genieße es, für mein Publikum zu singen. Die Tour dauert fünf Wochen und es wird wundervoll werden.

FN: Was sagte Ihre Frau, als Sie Ihr eröffneten, dass Sie nun doch wieder auf Tournee gehen?

Whittaker: (lacht) Sie hält es für eine sehr gute Idee. Wissen Sie, ich war jetzt zwei Jahre zu Hause und sie ist sehr glücklich, wenn sie mich mal eine Weile nicht sehen muss. Aber jetzt im Ernst. Wir haben natürlich darüber gesprochen. Ich nahm mein neues Album "Mehr denn je" auf, und es ist so schön geworden, dass ich diese Tournee einfach machen muss. Es reicht nicht, nur ins Studio zu gehen und eine Platte zu veröffentlichen. Ein Künstler muss damit rausgehen, die Lieder live vor Publikum singen.

FN: Sind Sie auf der Bühne ein anderer Mensch?

Whittaker: Natürlich bin ich viel ruhiger, wenn ich nicht auf der Bühne stehe. Und ich fühle auch mein Alter und meine Wehwehchen. Auf der Bühne spüre ich davon jedoch gar nichts mehr. Das ist wohl das Adrenalin. Da fühle ich nur noch Power.

FN: Sie haben Ihr Alter angesprochen. Am 22. März werden Sie 67 - wie alt fühlen Sie sich wirklich?

Whittaker: (lacht) Wie 40. Und in meinem Kopf wie 16. Es geht uns ja allen so: Wir glauben nicht, dass wir älter werden. Aber wenn ich in den Spiegel schaue, denke ich: Wer ist denn dieser alte Mann?

FN: Würden Sie diesem Satz zustimmen: Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, aber die Bühne ist nicht mein Leben?

Whittaker: Das ist wahr, so ist es. Die wichtigen Dinge im Leben sind meine Frau und meine Kinder. Für meine Familie würde ich alles andere aufgeben. Natürlich ist die Bühne für mich auch wichtig. Aber es gibt noch Wichtigeres im Leben. Es ist nett, ein schönes Haus zu haben - aber es ist nicht wichtig.

FN: Sie sind auch Pilot.

Whittaker: Das ist Vergangenheit. Wegen meiner Knie kann ich leider nicht mehr selbst fliegen. Fliegen ist herrlich. Man ist mit sich allein, fühlt Ruhe und Frieden. Das sind richtige Glücksgefühle.

FN: Was machen Sie als Erstes, wenn Sie von Ihrer Tournee heimkehren?

Whittaker: Ich werde die deutschen Texte für mein neues Album lernen. Wir möchten es in diesem Sommer aufnehmen. Es wird eine Weihnachts-CD mit Liedern, die ich bis jetzt noch nicht gesungen habe.



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