![]() | 11.03.2005 |
"Zurück in die Zukunft"
Marianne Rosenberg feiert heute ihren 50. Geburtstag / Neues Album und Tournee
Von Sabine Küssner
Fönwelle, Minikleidchen und ein braves Lächeln: Marianne Rosenbergs Auftritte in der "ZDF-Hitparade" sind genauso legendär wie die Sendung selbst. Lieder wie "Ich bin wie du", "Marleen" oder "Er gehört zu mir" kannte damals jedes Kind. Doch die niedliche "Kleene", wie Dieter Thomas Heck sie gerne nannte, wurde erwachsen und hatte keine Lust mehr auf die alten Schlager. Sie sang Jazz und Chansons, färbte sich die Haare schwarz und hatte so gar nichts mehr mit dem Berliner Mädchen von einst gemeinsam. Heute wird Marianne Rosenberg 50. Als Geschenk an ihre Fans und auch sich selbst hat sie ihre großen Erfolge neu aufgenommen. Dazu holte sie sich junge Leute wie Mousse T., Xavier Naidoo und die "Söhne Mannheims" ins Studio. Mit dem erfrischend jungen Album "Für immer wie heute" geht sie im April auf Deutschlandtournee - mit blonden Haaren und viel Spaß an all den Songs, die die Leute immer und immer wieder von ihr hören wollten. Im FN-Interview ging es unter anderem um ihren Hund, hohe Hacken und die Herzensdinge im Leben.
Frau Rosenberg, ist das Ihr Hund, der im Booklet Ihres neuen Albums zu sehen ist?
ROSENBERG: Ja, das ist Baron!
Wie alt ist er denn?
ROSENBERG: Der ist noch sehr jung - zwei Jahre erst.
Hat er sich bei den Fotoaufnahmen gut benommen?
ROSENBERG: Ja, er war sehr brav. Und er hat sich sehr gut in Szene gesetzt, wie man unschwer erkennen kann (lacht).
Und diese Schuhe, die darin zu sehen sind, sind das Ihre?
ROSENBERG: Ja! Mit Schuhen bin ich irgendwie ein bisschen verrückt (lacht).
Gehen Sie allgemein gerne shoppen?
ROSENBERG: Weniger, was Klamotten betrifft - das hat ja meistens mit Arbeit zu tun. Aber Schuhe kaufe ich sehr gerne ein.
Die Absätze sind ja nicht gerade nieder. Sind Sie jemals schon mal . . .
ROSENBERG: Nee! Selbst Prince tritt mit hohen Hacken auf, da werd’ ich das wohl auch schaffen! (lacht)
Was war es denn für ein Gefühl, sich ganz bewusst mit den Liedern von damals zu beschäftigen?
ROSENBERG: Ein sehr interessantes! Diese Stücke hatte ich lange nicht mehr gehört. Ich war sehr beeindruckt und habe mehr und mehr verstanden, warum die Leute diese Musik nicht losgelassen haben und immer wieder hören wollten. Das war ganz spannend, dieses Phänomen zu verstehen.
Gab es auch mal eine Zeit, in der Sie diese Begeisterung überhaupt nicht verstanden haben?
ROSENBERG: Na klar! In den 80er Jahren wollte ich gar nichts mehr mit diesen Liedern zu tun haben.
Mussten Sie sich mit Ihrer Vergangenheit erst versöhnen?
ROSENBERG: Nein, das nicht. Ich wollte jedoch meinen Weg weitergehen und nicht in einer ständigen Wiederholung enden. Das wäre mir künstlerisch gesehen perspektivlos erschienen.
Wenn Sie Ihren bisherigen Weg betrachten - sind Sie zufrieden oder würden Sie heute manches anders machen?
ROSENBERG: Komischerweise denke ich nicht, ich hätte dieses oder jenes anders machen sollen. Was nicht bedeutet, dass ich keine Fehler gemacht habe. Im Gegenteil: Ich habe bestimmt vieles falsch gemacht. Im nachhinein bin ich aber ganz zufrieden, wie alles gekommen ist. Heute habe ich das Gefühl, ich kann, stilistisch betrachtet, alles singen, was mir Spaß macht - natürlich nur in den Stilistiken, die ich beherrsche. Ob das alte Songs sind, die ich neu aufnehme, ob das meine Jazzsongs sind oder Chansons. Das ist ein wunderbares Gefühl. Und aus diesem Gefühl heraus war es leicht, die alten Stücke noch einmal neu aufzunehmen. Was nicht heißt, dass die Arbeit leicht war. Vom Gefühl her war es aber leicht und befreit. Es gab keinen Erfolgsdruck. Und dann war es diese unerwartete Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die sich mir in großer Spannung zeigte - nicht nur menschlich, sondern auch künstlerisch. Zu hören, wie ich damals mit diesen Songs umgegangen bin. Dieses junge Mädchen hat ja alles geglaubt. Mich zu fragen: Wie werde ich heute damit umgehen? Wird es glaubwürdig sein? Das Wichtigste dabei war, dass man das Ganze nicht persifliert. Ich wollte mich ja nicht mit der Anzahl meiner Lebensjahre und dem damit verbundenen Wissen über diese junge Frau erheben. Das ist mir, glaube ich, gelungen. Man merkt, dass ich diese Lieder mit viel Liebe und Herzlichkeit gesungen habe.
War dieses Album zuerst einmal nur als Geschenk an die Fans gedacht, die nach Ihren Chanson- oder Jazzkonzerten eben immer noch Ihre Kultsongs wie "Er gehört zu mir" hören wollten?
ROSENBERG: Ja, genauso ist es. Egal, was ich gemacht habe: Es kam immer wieder vor, dass die Leute "Er gehört zu mir", "Ich bin wie du" oder "Marleen" hören wollten. Es ist dann auch vorgekommen, dass sie am Schluss eines Konzertes aufgestanden sind und mir diese Lieder vorgesungen haben. Im Laufe der Zeit habe ich das dann immer besser verstanden. Denn ich war auch enttäuscht, wenn ich selbst in Konzerte ging, weil ich mich in bestimmte Lieder verliebt hatte, und die dann nicht gespielt wurden. So zum Beispiel Annie Lennox, die "Who’s That Girl" nicht brachte, an dem aber mein Herz hängt. Sie war halt mit anderen Sachen unterwegs. Ich habe es zwar besser verstanden als manch einer im Publikum. Aber trotz dieses Verstehens habe ich es mir so sehr gewünscht. Das soll nicht heißen, dass ich jetzt bei jeder zukünftigen Show nach der kommenden Tour auch noch den Wunsch nach meinen alten Liedern erfüllen werde. Das kann ich nicht.
Und dieses neue Album ist aber auch ein Geschenk für Sie selbst geworden, stimmt’s?
ROSENBERG: Ja, natürlich! Und trotzdem gebe ich es gerne her (lacht). Dadurch, dass es so positiv aufgenommen wird, bin ich noch eine ganze Weile länger damit unterwegs als ich geglaubt habe. Ich hatte auch von Leuten gehört, die sagten: Sprich sie bloß nicht auf ihre alten Songs an, das mag sie nicht! Dem war aber nicht so. Ich hatte nur das Gefühl, ich kann doch nicht mein Leben lang nur dieselben Lieder singen!
"Ohne Liebe leben, nein, das könnt’ ich nie", lautet eine Textzeile aus "Liebe kann so wehtun". Gilt das auch für Sie selbst?
ROSENBERG: Das würde ich auf jeden Fall unterschreiben. Neben Essen und Trinken ist Liebe das Wichtigste im Leben.
"Wenn mein Verstand dem Gefühl folgt" heißt es in "Wenn ich dich liebe, was dann". Sind Sie ein Bauch- oder Kopfmensch?
ROSENBERG: Ich bin sicherlich beides. Der Satz sagt ja: Was passiert, wenn ich die Gefühle nicht kontrolliere? Ich glaube einfach daran, dass die Herzensdinge den Weg zeigen.
Wenn Sie an Ihre kommende Tournee denken - beschleicht Sie da schon eine kleine Nervosität?
ROSENBERG: Durchaus. Ich habe das Programm schon einmal in Berlin gespielt und es war sehr schön. Aber das heißt gar nichts. Jede Stadt ist anders. Man muss sich immer wieder neu beweisen, kann sich nicht auf dem bereits Geleisteten ausruhen. Die Menschen sind überall anders.
Fragen Sie sich manchmal in dem Augenblick, bevor Sie auf die Bühne gehen, warum Sie sich das überhaupt antun?
ROSENBERG: Ja, das ist exakt so. Da frage ich mich schon, wie komme ich jetzt dazu, da rauszugehen? Ich muss wohl verrückt geworden sein! Kurz vorher habe ich richtige Fluchtgedanken.
Und, wenn Sie dann draußen sind?
ROSENBERG: Das ist unterschiedlich. Erst einmal fällt die Nervosität sofort ab. Aber nach einer Weile kann sie mich wieder beschleichen (lacht). Man muss jedoch wissen, dass viele andere dieses Gefühl auch kennen. Und wenn es nicht da wäre, fühlte es sich auch so an, als ginge es um nichts. Man steht jedoch zwei Stunden da oben, und viele andere Menschen kommen, um einem zuzuhören. Es geht also sehr wohl um was.
Marianne Rosenberg gastiert am 19. April in der Nürnberger Meistersingerhalle und am 23. April in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Karten gibt es bei den FN.