30.10.2002

"Ein Töchterchen als schönstes Geschenk"

Am 14. Dezember legen "Die jungen Tenöre" auf ihrer Weihnachtsreise Station in Würzburg ein

Von Sabine Küssner

Die jungen Tenöre Sie haben sich zwar nicht unbedingt gesucht, aber gefunden. Bernhard Hirtreiter, Thomas Kießling und Hans Hitzeroth machten 1998 alle bei einem Casting für eine neue Erkennungsmelodie der Kuppelshow "Herzblatt" mit. Die Wahl fiel auf diese Drei, die sich fortan "Die jungen Tenöre" nannten und zu einem Siegeszug durch deutsche Konzerthallen antraten. Am 14. Dezember gastiert das musikalische Trio um 20 Uhr im Würzburger Congress Centrum. Karten für das Konzert, in dem die Künstler ihr Publikum mit auf eine Weihnachtsreise mitnehmen wollen, gibt es bei den Fränkischen Nachrichten. Wir unterhielten uns mit Bernhard Hirtreiter über gutes Entertainment, Elvis und Eisenbahnerbärte.

FN: Herr Hirtreiter, wie finden Sie es, wenn mitten im September schon die Nikoläuse in den Läden stehen?

Hirtreiter: Damit habe ich kein Problem. Ich wäre nämlich froh, wenn ich Ende November mit all meinen Weihnachtseinkäufen fertig wäre. Die Geschäfte müssen das ja tun. Im Sommer kann man schließlich auch schon die Winterkollektion begutachten. Das ist die einzige Lösung, auch etwas zu verkaufen. Unsere Weihnachtsplatte wird allerdings leider nur kurz in den Läden sein. Wir können sie ja schlecht schon im Oktober präsentieren.

FN: Was war denn bis jetzt Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk?

Hirtreiter: Vor vier Jahren kam kurz nach Weihnachten meine Tochter auf die Welt. Sie war mein schönstes nachträgliches Weihnachtsgeschenk.

FN: Worum beneiden Sie Ihre Kollegen Hans Hitzeroth und Thomas Kießling?

Hirtreiter: Hans ist sehr redegewandt. Er bleibt in Stresssituationen ganz ruhig und findet viel leichter die richtigen Worte als ich. Das gefällt mir. Er kann auch gut mit den Finanzen umgehen. Thomas ist sehr spontan, das mag ich ebenfalls. Worum die beiden mich beneiden, dazu fällt mir gerade nichts ein. Außer Blödsinn.

FN: Dann bitte den Blödsinn!

Hirtreiter: Sie beneiden mich vielleicht darum, dass ich keinen "Eisenbahnerbart" trage. Mein Bart wächst relativ gleichmäßig. Sie haben mir das zwar nie gesagt, aber das könnte sein. Vielleicht beneiden Sie mich um meine Tochter, um meine Familie.

FN: Sie sind ein Elvis-Verehrer. Haben Sie ein bestimmtes Lieblingslied?

Hirtreiter: Das nicht, aber ich bin immer wieder erstaunt, wieviel neue Facetten man bei seinen Liedern immer noch entdecken kann. Ich habe an die zwanzig Platten von ihm. Gospel, Balladen, Rock 'n' Roll: Er hat das alles gelebt. Ich finde es beneidenswert, so viel Emotion zeigen zu können. Von einem Mitschüler bekam ich einmal eine ganz wüste Cassette - er hatte für mich eine Elvis-LP mit dem Mikrofon aufgenommen. Da konnte man auch alle Hintergrundgeräusche hören. Aber ich war unglaublich stolz darauf.

FN: Sie waren damals noch ein Kind, aber trotzdem: Können Sie sich noch erinnern, als Sie von seinem Tod erfahren haben?

Hirtreiter: Ja, obwohl ich ihn erst mit Alwin Stardust verwechselte. Ich wusste, dass sein Tod etwas ganz Schlimmes war.

FN: Hatten Sie früher auch Poster in Ihrem Zimmer hängen?

Hirtreiter: Ich selbst nicht, aber meine Schwestern. Wir haben immer die ZDF-Hitparade angeschaut, also hingen da Chris Roberts, Rex Gildo . . .

FN: Er hieß mit bürgerlichem Namen ja auch Hirtreiter. Sind Sie verwandt mit ihm?

Hirtreiter: Wir kommen aus derselben Ecke und haben bestimmt etwas miteinander zu tun. Kurz vor seinem Tod lernte ich ihn noch bei einem NDR-Konzert kennen. Er sagte: Da muss ich erst bis nach Norddeutschland fahren, um einen Hirtreiter zu treffen! Rex schrieb mir noch eine Autogrammkarte mit seinem echten Namen. Das fand ich sehr lieb von ihm. Aber er war damals ziemlich fertig.

FN: Und wer hing noch bei Ihnen zu Hause an der Wand?

Hirtreiter: Meine Schwestern standen auf Sweet, Smokie und Barclay James Harvest. Und das Electric Light Orchestra. Meine Eltern waren Mitglieder im Philharmonischen Chor in München, und dieser Chor sang mit dem Electric Light Orchestra diese Ufo-Platte ein. Da war ELO natürlich ganz schwer "in".

FN: Bei Ihren Konzerten ist nicht nur das Singen, sondern auch das Entertainment wichtig. Haben Sie sich denn bei einem Konzert schon mal so richtig gelangweilt?

Hirtreiter: Ich langweile mich oft in der Oper, obwohl ich ja aus diesem Fach komme. Das sind tolle Sänger und es ist eine Stimmschau sondersgleichen, aber die Inszenierungen sind superlangweilig. Da fehlt die Unterhaltung völlig. Entertainment muss jedoch richtig gut sein, Schlag auf Schlag gehen. Ich komme aus der Klassik und weiß, wie es dem Markt geht. Und deshalb ist es wichtig, die Leute da wieder hinzuführen.

FN: Was erwartet Ihr Publikum in Würzburg?

Hirtreiter: Wir werden ein reines Weihnachtsprogramm spielen und haben dazu unterschiedliche Lieder zusammengetragen, auch von Elvis zum Beispiel. Der Bogen spannt sich von der kirchlichen Musik über den Gospel, das Volkslied und das amerikanische Weihnachtslied. Die Leute werden auf eine spannende, abwechslungsreiche Reise mitgenommen.



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