![]() | 23.04.2004 |
"Ich fühle mich wie 35"
Tony Marshall lebt sein Leben ganz bewusst
Von Sabine Küssner
Wie oft er schon als "Stimmungsmacher der Nation" bezeichnet wurde, wird er selbst kaum wissen. Eines jedenfalls steht fest: Wo Tony Marshall ist, ist die gute Laune nicht weit. Seine Hits "Schöne Maid" oder "Heute hau'n wir auf die Pauke" sind längst Kult, und seit seinem Lied "Bora Bora" freut sich die Insel im Südpazifik über steigende Touristenzahlen.
Kürzlich wurde er dort gar zum Ehrenbürger ernannt, erzählte der 66-jährige Entertainer den FN im Rahmen der SWR-Produktion "Fröhlicher Alltag" in Tauberbischofsheim.
FN: Tony, mit 66 Jahren, da fängt das Leben an...
MARSHALL: Ich habe dieses Alter nicht herbeigesehnt, aber ich mache das Beste daraus. Und in diesem Lied meines großen Kollegen Udo Jürgens steckt wirklich ein Stückchen Wahrheit. Ich lebe nicht nach der Numerik, sondern nach der Biologie und so fühle ich mich wie ein 35-Jähriger. Auf der kultigen DVD der "ZDF-Hitparade" mit Dieter Thomas Heck sind Sie auch vertreten mit Ihrem Lied "Mach dir das Leben doch schön".
FN: Immer noch ein Motto von Ihnen?
MARSHALL: Man braucht kein Philosoph zu sein um festzustellen, dass man nur einmal lebt. Der Weg von der Wiege bis zur Bahre ist eben beim einen länger, beim anderen kürzer. Von meinen 66 Jahren habe ich mit Sicherheit 60 Jahre bewusst gelebt. Ich bin immer dankbar, wenn ich morgens spüre: Ich lebe noch.
FN: Ist es immer leicht, der "Stimmungsmacher der Nation" zu sein?
MARSHALL: Ich hatte nie Schwierigkeiten damit. In der Musik kann ich alles bieten, was die Menschen gerne hören von der Klassik bis übers Musical bis hin zu Volkslied und Schlager.
FN: Und das in acht Sprachen. Welche sind das?
MARSHALL: (lacht) Hoffentlich bekomme ich alle zusammen! Das sind Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Latein, Hebräisch und Russisch.
FN: Der Mann auf der Straße erwartet aber auch, dass Sie stets gut gelaunt sind.
MARSHALL: Ich zeige mich nie unvorbereitet. Das bin ich meinem Publikum schuldig. Aber natürlich kann man nicht immer lachen. Man hat ja auch seine Sorgen, wir zum Beispiel mit unserer behinderten Tochter Stella. Da wird man schon auch mal nachdenklich. Meine Aufgabe sehe ich jedoch darin, den Menschen eine Freude zu machen. Das hat mit der Spaßgesellschaft gar nichts zu tun. Kinder sollen Spaß haben, aber die Erwachsenen sollten sich mehr der Freude zuwenden.
FN: Hätten Sie auf Ihren Trainer gehört, wäre aus dem Sänger Marshall nichts geworden.
MARSHALL: Ich war aktiver Sportler, spielte Fußball und machte Leichtathletik. Mein Trainer sagte damals: "Du wirst mal ein exzellenter Fußballer!". Ich erwiderte: "Ich will aber Sänger werden!"` Das stand für mich schon als Kind fest. Mario Lanza war mein Idol. Selbst José Carreras und Placido Domingo verehren ihn.
FN: Gibt es etwas, was Sie nicht können, kochen zum Beispiel?
MARSHALL: Sagen wir so, ich würde überleben, selbst wenn ich keine Ahnung hätte vom Kochen. Ich bin ein Gourmet, aber kein Meisterkoch. Spiegeleier kann ich zubereiten oder einen Strammen Max. Oder auch ein Steak à la "Schöne Maid".
FN: Das hört sich ja interessant an!
MARSHALL: Da ist viel Knoblauch drin! Es wird mit Rotwein übergossen, flambiert und dann kommt noch ein dünner Speckmantel außen herum. Das habe ich mal bei Alfred Biolek gekocht - er war begeistert!
FN: Sie stehen schon sehr lange auf der Bühne.
MARSHALL: 50 Jahre sind es in diesem Jahr. 1954 hatte ich meinen ersten Auftritt auf einem Pennälerball im Kurhaus von Baden-Baden. Fünf Mark habe ich bekommen. Gesungen habe ich unter anderem « C'est si bon » von Louis Armstrong. Und als Achtjähriger bin ich schon mit meiner Geige in der Kirche aufgetreten.
FN: Und wie steht's mit dem Lampenfieber?
MARSHALL: Das kenne ich überhaupt nicht! Wäre ich Opernsänger geworden, dann hätte ich berechtigt Lampenfieber. Aber nicht, wenn man wie ich fröhliche Lieder singt.
FN: Ihre Söhne Marc und Pascal sind in Ihre Fußstapfen getreten.
MARSHALL: Das macht mich natürlich sehr stolz. Es ist ein traumhaftes Gefühl, vor allem, wenn man als Vater erkennt, dass die Söhne besser sind als man selbst. Umgekehrt wäre es ja schlimm! Pavarottis Vater war auch ein exzellenter Opernsänger, aber nicht so gut wie sein Sohn.
FN: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
MARSHALL: Nur Familie. Ich bin 42 Jahre verheiratet, 50 Jahre in meinem Beruf. Kürzlich wurde ich Ehrenbürger von Bora Bora, das ist eine wunderbare Auszeichnung. Im nächsten Frühjahr werden wir alle mit einem großen Schiff rüberfahren - die Reise kann übrigens gebucht werden. Auch das Fernsehen wird dabei sein. Das wird ein weiterer richtiger Höhepunkt in meinem Leben. 1978 habe ich das Lied "Bora Bora" aufgenommen. Und noch heute kommen immer wieder Leute zu mir und sagen, dass sie dort waren und ich genauso sänge, wie es dort drüben aussieht. Die Schönheit der Insel ist einfach paradiesisch. Das werde ich also mit 67 unter anderem unternehmen. Und dann kommt hoffentlich auch der 70. auf, auf zu neuen Ufern kann ich da nur sagen! Ich habe noch viele Aufgaben zu erfüllen und bin bereit dazu!